Antikörper-Therapie des HER2-positiven Mammakarzinoms – von der Entwicklung bis zur therapeutischen Anwendung

29. Januar 2018 | Kategorie: Pharmaindustrie

Therapeutische Antikörper sind hochkomplexe Moleküle, die unter anderem in der Behandlung onkologischer Erkrankungen entscheidende Fortschritte erzielt haben. Ein Beispiel dafür ist Trastuzumab (Herceptin®) zur Therapie des HER2-positiven Mammakarzinoms. Dessen Wirksamkeit ist in zahlreichen Studien umfassend belegt. Zulassungen biosimilarer Antikörper, nicht-identische Nachahmerprodukte der Referenz-Arzneimittel, führen zu Fragen bei der Verschreibung von Biologika. Konsequenzen für Ärzte und Apotheker im klinischen Alltag diskutierten Prof. Dr. Andreas Schneeweiss, Dr. Tilman Schöning (beide Heidelberg) und Dr. Thomas Link, Penzberg, unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Irene Krämer, Mainz, im Rahmen eines Symposiums von Roche auf dem NZW-Kongress.


Bedeutung von Masterzellklon und Prozess bei der Herstellung therapeutischer Antikörper

Biologische Arzneimittel werden mithilfe gentechnisch veränderter lebender Zellen biotechnologisch hergestellt. Der Masterzellklon und tausende Einzelschritte des Herstellprozesses bestimmen das Produkt. Aufgrund dieser Komplexität und ihrer Größe von mehreren zehntausend Atomen sind therapeutische Antikörper nicht exakt kopierbar. Biosimilare Antikörper werden aus anderen Zelllinien und mittels unterschiedlicher Herstellungsverfahren produziert. „Biologische Arzneimittel, die von verschiedenen Herstellern produziert werden, können daher nie identisch, sondern nur ähnlich sein“, erläuterte Link, Leiter Zellkulturprozessentwicklung bei Roche in Penzberg.

Antikörper-Therapie des HER2-positiven Mammakarzinoms – Ärztliche Sicht

Herceptin® gilt als Durchbruch in der Behandlung des HER2-positiven Mammakarzinoms. Eine Vielzahl von klinischen Studien belegt die Wirksamkeit und Verträglichkeit des ersten zielgerichteten HER2-Antikörpers beim frühen und metastasierten Brustkrebs. Bei früher Diagnose und Therapie haben die betroffenen Frauen damit heute eine hohe Chance auf Heilung. Der Original-Antikörper Herceptin® kann sowohl intravenös als auch subkutan verabreicht werden. Als Kombinationspartner von Pertuzumab (Perjeta®) und Bestandteil von Trastuzumab Emtansin (Kadcyla®▼) ist Herceptin zudem die Basis für die Weiterentwicklung der Therapie des HER2-positiven Mammakarzinoms.

Die Zulassungswege biosimilarer Antikörper unterscheiden sich von jenen der Original-Präparate: „Biosimilare Antikörper sind ähnlich aber nicht gleich dem Original-Antikörper. Sie müssen in einer sensitiven Patientengruppe in engen vorgegebenen Grenzen Vergleichbarkeit mit dem Original bezüglich eines Surrogatmarkers, wie zum Beispiel der Ansprechrate, zeigen. Eine Überlebensverbesserung wie beim Original muss nicht nachgewiesen werden“, erklärte Schneeweiss, Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg. Ist diese Prüfung in einer Indikation erbracht, darf auf alle weiteren Indikationen des Original-Biologikums extrapoliert werden. Wie für jeden neuen Wirkstoff fordert die Zulassungsbehörde allerdings einen umfassenden Risiko-Management-Plan mit zusätzlicher Überwachung (▼) .

Zunehmende Komplexität durch zunehmendes Angebot – Apotheker-Sicht

Die Einführung von Biosimilars führt zu mehr Wettbewerb und eröffnet ein substanzielles Einsparpotenzial. Bei der Entscheidung für den Einsatz eines Biologikums sind neben dem Preis jedoch aus pharmazeutischer Perspektive weitere Kriterien zu berücksichtigen, wie beispielsweise die vorliegende wissenschaftliche Evidenz, Sicherheits- und Stabilitätsdaten, der Umgang mit extrapolierten Indikationen, erforderliche Pharmakovigilanz-Maßnahmen und die Lieferfähigkeit des Herstellers.

Die Therapieentscheidung liegt beim Arzt und sollte primär auf medizinischen Überlegungen basieren. Eine Substitution durch den Apotheker ist nicht zulässig. Aufgaben speziell für den Apotheker sieht Schöning, stellvertretender Apothekenleiter am Universitätsklinikum Heidelberg, daher insbesondere bei der Sicherstellung eines Verschreibungsprozesses mit vollständiger Dokumentation, der jederzeit Sicherheit für Apotheker, Arzt und Patient bietet. Die Verschreibung von Biologika sollte daher immer unter Angabe des Handelsnamens erfolgen, um die Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten. Darüber hinaus ist der Apotheker verantwortlich für die Implementierung von sicheren Prozessen zum Einsatz der Biologika sowie die Unterstützung bei der Umsetzung aller Pharmakovigilanz-Prozesse inkl. der Nebenwirkungsmeldungen. Letztlich sollte dem Einsatz von Biologika, ob Original oder Biosimilar, in der klinischen Praxis laut Schöning immer die Festlegung von definierten Rahmenbedingungen auf Klinikebene vorausgehen. Damit sei eine sichere Anwendung möglich und medizinisch nicht begründete Produktwechsel bei laufender Therapie, sogenannte Switches, würden vermieden.

▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Bitte melden Sie Nebenwirkungen an die Roche Pharma AG (grenzach.drug_safety@roche.com oder Fax +49 (0)7624 / 14-3183) oder an das Paul-Ehrlich-Institut (www.pei.de oder Fax: +49 (0)6103 / 77-1234).und medizinisch nicht begründete Produktwechsel bei laufender Therapie, sogenannte Switches, würden vermieden.

Quelle: Roche


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