Auf dem Weg zu einer personalisierten Strahlentherapie

25. Juni 2018 | Kategorie: Für Sie gelesen

„Eine personalisierte Therapie, die gezielt die molekularbiologische Eigenschaften von Tumorzellen ausnutzt, könnte künftig – ähnlich wie bereits in der medikamentösen Krebstherapie – in der Strahlentherapie relevant werden“, erklärt DEGRO-Pressesprecherin, Univ.-Prof. Dr. med. Stephanie E. Combs. Denn auch die Strahlensensibilität von Tumorzellen scheint von biomolekularen Merkmalen abhängig zu sein. Auf dem DEGRO-Kongress 2018 ist das Thema „personalisierte Radiotherapie“ daher ein vieldiskutierter Programmpunkt. Derzeit wird untersucht, von welchen molekularen Eigenschaften das Ansprechen einer Tumorart auf die Bestrahlung abhängt. Erste Ansätze gibt es beim Oropharynx-Karzinom.

Praktisch jeder Tumor weist spezifische molekularbiologische Merkmale auf, die auf Genmutationen basieren. Das Vorhandensein (oder Fehlen) molekulargenetischer Eigenschaften ist häufig entscheidend für die Wahl der Behandlung, da bestimmte molekulare Veränderungen der Krebszellen mit einer besonders hohen Sensibilität für bestimmte Substanzen einhergehen. Dies betrifft bislang vor allem neue, sogenannte zielgerichtete Medikamente in der Krebstherapie. Sie sind unter anderem in der Therapie von Brustkrebs (Mutation „Her2neu“), Darmkrebs (EGFR- und K-RAS-Mutationen) oder des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) etabliert. So werden beispielsweise bei einem NSCLC mit einer Mutation im EGFR-Gen sogenannte Tyrosinkinasehemmer (TKI) erfolgreich eingesetzt. Bei Fehlen der Mutation wird hingegen von der Gabe dieser Medikamente abgeraten, da dann die Ansprechraten gering sind. Eine solche molekular-orientierte Therapie führt zu deutlich höheren Behandlungserfolgen. In den 2018 aktualisierten Leitlinien zur Behandlung des Lungenkarzinoms [1] wird die molekulargenetische Untersuchung des Tumors empfohlen, um die Patienten optimal und zielgerichtet behandeln zu können.

„Eine personalisierte Therapie könnte jedoch zukünftig nicht nur bei der medikamentösen Tumortherapie, sondern auch bei der Strahlentherapie relevant sein“, erklärtDEGRO-Pressesprecherin, Univ.-Prof. Dr. med. Stephanie E. Combs. Prof. Fietkau, Direktor der Strahlenklinik des Universitätsklinikums Erlangen, ergänzt: „Wir können sogar davon ausgehen, dass in einigen Jahren bei der Krebsbehandlung generell die Mutationen in den Onkogenen wichtiger sind als beispielsweise die Lokalisation des Tumors“, erklärt „denn auch die Strahlensensibilität von Tumorzellen scheint von biomolekularen Merkmalen abhängig zu sein.“ So zeigte sich beispielsweise, dass Oropharynx-Tumoren (Krebs im Mund-Rachen-Bereich), die durch eine Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) entstanden sind und dadurch eine andere molekulargenetische Signatur haben, viel strahlensensibler sind als Oropharynx-Tumoren, die durch Nikotin und Alkohol ausgelöst wurden. Auch haben die HPV-assoziierten Karzinome im Mund-Rachen-Bereich generell eine deutlich bessere Prognose [1, 2]. Bei Oropharynx-Tumoren – egal welcher Ursache – kommt im Allgemeinen eine komplexe Behandlungsstrategie mit einer Kombination aus Operation und Radio(chemo)- oder Radioimmuntherapie zum Einsatz. „Eine intensive Krebsbehandlung geht aber immer mit höheren Raten an Nebenwirkungen und Komplikationen einher“, so Prof. Fietkau. „Derzeit sind Studien in Planung, die prüfen sollen, ob beim HPV-positiven Oropharynxkarzinomen eine De-Intensivierung der Therapie bzw. Senkung der Strahlendosis zu gleichen Behandlungserfolgen führen kann. Vieles deutet darauf hin, dass wir Patienten mit HPV-assoziierten Tumoren sanfter behandeln können, ohne ihre Heilungschancen zu mindern.“

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert zurzeit einen bundesweiten Forschungsverbund, die „Klinische Kooperationsgruppe Personalisierte Radiotherapie bei Kopf-Hals-Tumoren“, bestehend aus sieben Verbundpartnern an vier verschiedenen deutschen Standorten. Ziel ist es, weiter zu untersuchen, von welchen molekularen Eigenschaften das Ansprechen eines Tumors auf verschiedene Therapieformen abhängt und so auch eine personalisierte Strahlentherapie zu etablieren. Man hofft, in Zukunft anhand von molekularbiologische Merkmalen der Krebszellen vorhersagen zu können, mit welchem Strahlentherapieregime ein Patient die beste Prognose haben wird.

Referenzen
[1] https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/lungenkarzinom/
[2] Tribius S, Hoffmann M. Infektionen mit humanen Papillomaviren bei Kopf-Hals-Karzinomen. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(11): 184-90
[3] Ducatman BS. The Role of Human Papillomavirus in Oropharyngeal Squamous Cell Carcinoma. Arch Pathol Lab Med 2018 Jun; 142(6):715-718

Quelle: DEGRO


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