CTCL: Zielgerichtete Antikörper-Therapie mit Mogamulizumab

10. November 2020 | Kategorie: Pharmaindustrie

 

Haematologie-info  

Anlässlich einer virtuellen Launch-Pressekonferenz wurden mit der MAVORIC-Studie aktuelle Daten zum ersten Anti-CCR4-Antikörper Mogamulizumab (Poteligeo®) vorgestellt. Eine Post-hoc-Analyse zeigt zudem, dass die Antikörpertherapie bei einer peripheren Blutbeteiligung anschlägt. Die neue zielgerichtete Therapieoption zur Behandlung erwachsener Patienten mit Mycosis fungoides oder Sézary-Syndrom, die mindestens eine vorherige systemische Therapie erhalten haben, steht nun auch in Deutschland zur Verfügung. Die Mycosis fungoides stellt die häufigste Form des kutanen T-Zell-Lymphoms (cutaneous T-cell lymphoma; CTCL) dar. Zusammen mit dem selteneren Sézary-Syndrom macht sie etwa 65% aller Fälle aus (1-3).

Der humanisierte, monoklonale Antikörper Mogamulizumab ist neuartig innerhalb seiner Klasse. „Mogamulizumab bietet einen neuartigen Wirkmechanismus für Patienten mit Mycosis fungoides und Sézary-Syndrom: der therapeutische Antikörper richtet sich gezielt gegen den CC-Chemokinrezeptor Typ 4“, Prof. Dr. Jan Nicolay, Leitender Oberarzt an der UMM Universitätsmedizin Mannheim. Bei Vorliegen von Mycosis fungoides und Sézary-Syndrom wird der CC-Chemokinrezeptor Typ 4 (CCR4) von malignen T-Zellen überexprimiert. Die malignen T-Zellen migrieren infolgedessen in die Haut (4, 5). Daher ist CCR4 ein relevantes Behandlungs-Target in allen Stadien der Erkrankung (4, 6, 7).

Beurteilung des Krankheitsstadiums als Schlüssel für das Patientenergebnis

„Eine frühe Diagnose ist essenziell für die erfolgreiche Behandlung kutaner T-Zell-Lymphome. Nur so kann frühzeitig eine stadiengerechte und erkrankungsspezifische Therapie eingeleitet werden“, betont Prof. Dr. Jan Nicolay. Kennzeichnend für Mycosis fungoides und Sézary-Syndrom ist das Auftreten maligner T-Zellen in der Haut (2, 8). Dort lösen diese eine lokale Entzündungsreaktion aus, die im Allgemeinen in sichtbaren Symptomen wie roten Flecken und Plaques resultiert (5, 9-12). Diese Entzündungsreaktion der Haut kann den Symptomen einer Psoriasis oder eines Ekzems ähneln (13).
Deshalb kann bis zu einer bestätigten Diagnose viel Zeit vergehen – durchschnittlich zwischen 2 und 7 Jahre (13). Der klinische Nachweis zur Bestätigung der Diagnose MF oder SS erfolgt durch multiple Hautbiopsien, Blutuntersuchungen, sowie Untersuchung der Lymphknoten und ggf. innerer Organe (10).
Eine periphere Blutbeteiligung kann bei der Mycosis fungoides und dem Sézary-Syndrom in allen Krankheitsstadien auftreten. Neue Erkenntnisse zeigen, dass eine Blutbeteiligung in den fortgeschrittenen Stadien der CTCL relativ häufig auftritt – zudem bei fast 20% aller weniger fortgeschrittenen Krankheitsstadien (14).

Besseres Ansprechen der Therapie bei Blutbeteiligung

Aktuelle Phase-III-Studiendaten (MAVORIC) zeigen die Wirksamkeit und Sicherheit des Anti-CCR4-Antikörpers. Im primären Studienendpunkt konnte Mogamulizumab das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) bei Patienten mit rezidivierender oder refraktärer Mycosis fungoides bzw. rezidivierendem oder refraktärem Sézary-Syndrom im Vergleich zu Vorinostat mehr als verdoppeln (7,7 vs. 3,1 Monate) (15). „Bezüglich der untersuchten Einzelkompartimente zeigt Mogamulizumab ein signifikantes und dauerhaftes Ansprechen insbesondere in den Kompartimenten Haut und Blut“, so Prof. Dr. Chalid Assaf, Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Helios Klinikum Krefeld. Bei einer Post-hoc-Analyse der Studie wurde weiterhin festgestellt, dass das PFS für Mogamulizumab im Vergleich zu Vorinostat bei Patienten mit einem höheren Grad der Tumorlast im peripheren Blut (auch bekannt als B1- und B2-Klassifikation) signifikant länger war – mit deutlich höheren Werten als bei Betrachtung des Gesamtkollektivs (14).
Zusammenfassend waren sich die Experten einig, dass der Wirkmechanismus von Mogamulizumab sowie die ersten Daten aus Praxis und Klinik vielversprechend sind und das Therapiespektrum mit Mogamulizumab um eine innovative Therapieoption erweitert wird.

Höhere Bindungsaktivität durch POTELLIGENT®-Technologie

Ein besonderes Merkmal von Mogamulizumab ist der reduzierte Fucosegehalt innerhalb seiner schweren Zuckerkette. Die hierfür ursächliche Defucosylierung erfolgt unter Anwendung der eigens von Kyowa Kirin entwickelten und patentgeschützten POTELLIGENT®-Technologie. Durch die Defucosylierung wird die Bindungsaktivität des Antikörpers an die Effektorzelle signifikant erhöht und die antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität (ADCC) im Vergleich zu herkömmlich hergestellten Antikörpern deutlich gesteigert (9, 16, 17).

Literatur:

(1) Trautinger F et al. Eur J Cancer. 2017;77:57–7.
(2) Willemze R et al. Blood. 2019;133(16):1703–14.
(3) Olsen E et al. Blood. 2007;110(6):1713–22.
(4) Yoshie O, Matsushima K. Int Immunol. 2015;27(1):11–20.
(5) Girardi M et al. N Engl J Med. 2004;350(19):1978–88.
(6) Ni X et al. Clin Cancer Res. 2015;21(2):274–85.
(7) Sugaya M et al. J Dermatol. 2015;42(6):613–15.
(8) Scarisbrick JJ et al. J Clin Oncol. 2015;33(32):3766–73.
(9) Wilcox RA. Am J Hematol. 2016;91(1):151–65.
(10) Ferenczi K et al. J Invest Dermatol. 2002;119:1405–10.
(11) Ni X et al. Clin Cancer Res. 2014;21(2):274–85.
(12) Kakinuma T et al. J Am Acad Dermatol. 2003;48(1):23–30.
(13) CL Foundation: A Patient’s Guide. Available from: https://www.clfoundation.org/sites/default/files/2018-
04/a_patients_guide.pdf. Last Accessed: Nov. 2020.
(14) Scarisbrick JJ et al. Efficacy and Safety of by Patient Blood Classification. Abstract from 16th European
Association of Dermato Oncology Congress. 2020;1–4.
(15) Kim YH et al. Lancet Oncol. 2018;19(9):1192–204.
(16) Remer M et al. Immunotherapy. 2014;6(11):1187–206.
(17) Yano H et al. Clin Cancer Res. 2007;13(21):6494–500.

Quelle: Kyowa Kirin


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