Deutscher Krebskongress 2020: Krebs bei unterschiedlichen Altersgruppen

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Angepasste Versorgungskonzepte notwendig

Expert*innen aus der Onkologie und Psychologie sprechen sich auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin für eine stärker nach dem jeweiligen Alter ausgerichtete Therapie und Versorgung von Krebspatient*innen aus.

Während junge Erwachsene mit Krebs einen besonderen Bedarf an Survivorship-Programmen haben, benötigen ältere Betroffene unter anderem eine intensivere sektorübergreifende Zusammenarbeit und besondere Maßnahmen zur gemeinsamen Entscheidungsfindung. Um diese Ziele zu erreichen, seien strukturelle Änderungen notwendig.

Etwa 3,5 Prozent aller Krebsneuerkrankungen entfallen auf Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 39 Jahren (AYA – adolescents and young adults). „Krebs bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist damit insgesamt gesehen selten und unterscheidet sich vom Kinderkrebs oder Krebserkrankungen bei älteren Menschen“, sagt Professor Dr. Alexander Katalinic von der Universität Lübeck. Erfreulicherweise habe sich die Prognose bei dieser Gruppe von Betroffenen sehr verbessert. Bei den in dem AYA-Alter häufig auftretenden Krebserkrankungen wie Hodenkrebs oder beim Hodgkin-Lymphom gibt es Überlebensraten von 90 bis 100 Prozent. Damit steigt die Anzahl der Langzeitüberlebenden an.

Langzeitüberlebende leiden häufig trotz erfolgreicher Krebsbehandlung unter Beeinträchtigungen, die sich auf die gesamte private Lebenssituation und auch auf den beruflichen Werdegang auswirken können. Dazu zählt zum Beispiel das chronische Erschöpfungssyndrom Fatigue. „Aber auch Angst und Anpassungsstörungen sowie Depressionen treten in der AYA-Altersgruppe häufig auf“, sagt Professor Dr. Anja Mehnert-Theuerkauf vom Universitätsklinikum Leipzig. Dazu kommt ein Beratungsbedarf, zum Beispiel beim Einstieg in den Beruf oder in die Ausbildung. „Die psychoonkologischen und anderen Versorgungsangebote – etwa im Rahmen von Survivorship-Programmen – sollten niederschwellig und spezifisch auf diese Altersgruppe zugeschnitten sein“, so Mehnert-Theuerkauf.

Während die AYA-Gruppe einen besonderen Bedarf an Survivorship-Programmen hat, stehen Ärzt*innen bei der Versorgung von geriatrischen Patient*innen vor ganz anderen Herausforderungen: Für fast alle Krebsarten steigt das Erkrankungsrisiko mit dem Alter. Gleichzeitig steigt mit zunehmendem Alter auch das Risiko der Multimorbidität – also das Vorhandensein von zwei oder mehr chronischen Erkrankungen. „Bei älteren multimorbiden Krebspatienten kann es durch die Medikation zu unerwünschten Neben- oder Wechselwirkungen kommen“, so Professor Dr. Ursula Müller-Werdan von der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Deshalb ist es sehr wichtig, gemeinsam mit dem Betroffenen die medizinischen Probleme zu hierarchisieren und festzulegen, welche Therapieziele verfolgt werden sollen.“

Aufgrund von körperlichen oder kognitiven Einschränkungen ist eine gemeinsame Entscheidungsfindung mit geriatrischen Patient*innen aber oftmals nur schwer umsetzbar. „Wir benötigen hierfür auf diese Patientengruppe zugeschnittene Informationsmaterialien, mehr Zeit für wiederholte Gespräche sowie die intensivere Einbeziehung von Angehörigen. Auch eine stärkere sektorenübergreifende Zusammenarbeit mit Hausarztpraxen und niedergelassenen Onkolog*innen ist erstrebenswert“, sagt Dr. Heike Schmidt von der Universitäts-Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie des Universitätsklinikums Halle. Selbst bei einer erfolgreichen Therapie können körperliche Funktionen von geriatrischen Patient*innen während oder nach der Behandlung stark beeinträchtigt werden. Das kann wiederum dazu führen, dass die Lebensqualität nachlässt und die Betroffenen sich nicht mehr selbstständig versorgen oder allein zu Hause leben können. „Daher sind ‒ vor allem in ländlichen Räumen mit schlechter Infrastruktur ‒ innovative Konzepte und gezielte Interventionen zum Erhalt der körperlichen Funktionen dieser besonders vulnerablen Gruppe gefragt“, so Schmidt. Im März wird ein Projekt zur Förderung der körperlichen Funktion älterer Patient*innen unter ambulanter Strahlentherapie, die sidekick-Studie, beginnen. In diesem Projekt bekommen Patient*innen individuelle Anleitungen zu alltagsrelevanten Bewegungsübungen zur Verfügung gestellt, entweder papierbasiert oder videobasiert via Tablet-PC, sodass sie Übungen selbstständig zu Hause durchführen können.

Jedes Jahr erkranken etwa 500.000 Menschen in Deutschland neu an Krebs, davon 17.000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 39 Jahren. Die altersstandardisierten Sterberaten an Krebs sind in Deutschland zwischen 2007 und 2017 bei Männern um 12 Prozent, bei Frauen um 5 Prozent zurückgegangen (Datenquelle: Zentrum für Krebsregisterdaten, Diagnosejahr 2016).

Der Deutsche Krebskongress 2020
Der 34. Deutsche Krebskongress findet vom 19. bis 22. Februar 2020 in Berlin statt. Unter dem Motto „informativ. innovativ. integrativ. Optimale Versorgung für alle“ informieren sich rund 10.000 Experten über die jüngsten wissenschaftlichen, medizinischen und gesundheitspolitischen Entwicklungen und diskutieren ihre Aufgaben von heute und morgen. Der größte und wichtigste deutschsprachige Kongress zur Krebsdiagnostik und -therapie wird von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe gemeinsam ausgerichtet. www.dkk2020.de

Die Ausrichter – starke Partner im Kampf gegen Krebs
Die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG) – eine Nachfolgeorganisation des 1900 gegründeten „Comité für Krebssammelforschung“ – ist die größte wissenschaftlich-onkologische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum. In der DKG vertreten sind über 8.000 Einzelmitglieder in 25 Arbeitsgemeinschaften, die sich mit der Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen befassen; dazu kommen 16 Landeskrebsgesellschaften und 36 Fördermitglieder. Die DKG engagiert sich für eine Krebsversorgung auf Basis von evidenzbasierter Medizin, Interdisziplinarität und konsequenten Qualitätsstandards, ist Mitinitiator des Nationalen Krebsplans und Partner der „Nationalen Dekade gegen den Krebs“. www.krebsgesellschaft.de

Die Deutsche Krebshilfe wurde am 25. September 1974 von Dr. Mildred Scheel gegründet. Ziel der gemeinnützigen Organisation ist es, Krebserkrankungen in all ihren Erscheinungsformen zu bekämpfen. Unter dem Motto „Helfen. Forschen. Informieren.“ fördert die Stiftung Deutsche Krebshilfe Projekte zur Verbesserung der Prävention, Früherkennung, Diagnose, Therapie, medizinischen Nachsorge und psychosozialen Versorgung, einschließlich der Krebs-Selbsthilfe. Ihre Aufgaben erstrecken sich darüber hinaus auf forschungs- und gesundheitspolitische Aktivitäten. Sie ist ebenfalls Mitinitiator des Nationalen Krebsplans sowie Partner der „Nationalen Dekade gegen Krebs“. Die Deutsche Krebshilfe ist der bedeutendste private Geldgeber auf dem Gebiet der Krebsbekämpfung – unter anderem der Krebsforschung – in Deutschland. Sie finanziert ihre gesamten Aktivitäten ausschließlich aus Spenden und freiwilligen Zuwendungen der Bevölkerung. www.krebshilfe.de

Quelle: Deutsche Krebshilfe


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