EU-Zulassung für Ibrutinib und Rituximab zur Behandlung therapienaiver CLL-Patienten

8. September 2020 | Kategorie: Pharmaindustrie

 

Haematologie-info  

Die Europäische Arzneimittelagentur hat die Kombination aus Ibrutinib (Imbruvica®) und Rituximab zur Behandlung therapienaiver CLL-Patienten zugelassen (1). Grundlage dieser Zulassungserweiterung des Bruton-Tyrosin-Kinase (BTK)-Hemmers Ibrutinib waren die positiven Ergebnisse der offenen, multizentrischen Phase-III-Studie ECOG E1912. Darin wurden 529 therapienaive, behandlungsbedürftige CLL-Patienten im Alter ≤70 Jahre (medianes Alter 58 Jahre) im Verhältnis 2:1 auf Ibrutinib kombiniert mit Rituximab (IR; n=354) oder auf eine Chemoimmuntherapie bestehend aus Fludarabin, Cyclophosphamid und Rituximab (FCR; n=175) randomisiert (2). FCR wurde lange Zeit als präferierte Therapieoption bei jüngeren (≤65 Jahre), körperlich fitten CLL-Patienten ohne 17p-Deletion oder TP53-Mutation empfohlen.

Signifikanter PFS- und OS-Vorteil gegenüber FCR

Nach einem medianen Follow-up (FU) von 48 Monaten war das relative Risiko für Progress oder Versterben im IR-Arm signifikant um 61% geringer gegenüber dem FCR-Arm (Hazard Ratio [HR]: 0,39; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,26-0,57; p<0,0001). Die 3-Jahres-Rate des progressionsfreien Überlebens (progression-free survival, PFS, primärer Endpunkt) betrug 89% im Behandlungsarm IR gegenüber 71% im Kontrollarm FCR. Ebenso zeigte sich in diesem Nachbeobachtungszeitraum unter der Kombination Ibrutinib mit Rituximab ein signifikanter Vorteil im Gesamtüberleben (OS, sekundärer Endpunkt) gegenüber FCR (HR:=0,34; 95%-KI: 0,15-0,79; p=0,009). Nach 3 Jahren waren im IR-Arm noch 99% der Patienten am Leben gegenüber 93% im FCR-Arm. Lediglich 7% der mit Ibrutinib und Rituximab behandelten Patienten entwickelten im Therapiezeitraum einen Progress (3). Signifikant geringere Rate unerwünschter Ereignisse

In der Verträglichkeitsanalyse im 4 Jahres-FU der Studie ECOG E1912 traten unerwünschte Ereignisse (UE) mit einem Schweregrad ≥3 unter IR signifikant seltener auf als unter FCR (69,6% versus 80,4%; p=0,013). Zu den häufigen UE im IR-Arm zählten Neutropenie (27%), Hypertonie (8,5%), Infektionen (7,1%) und kardiale Nebenwirkungen (5,4%). Zu den kardialen Nebenwirkungen gehörte Vorhofflimmern, das bei 2,8% der Patienten im IR-Arm auftrat (3). Im FCR-Arm wurden folgende UE vom Grad ≥3 am häufigsten registriert: Neutropenie (43%), Anämie, Thrombopenie und febrile Neutropenie (jeweils 15,8%).

Evidenz unterstreicht Stellenwert von Ibrutinib in der Erstlinientherapie

Ibrutinib hatte sich in der Alliance-Studie im PFS als überlegen gegenüber der Chemoimmuntherapie Bendamustin-Rituximab erwiesen, die vor allem bei älteren (≥65 Jahre), körperlich fitten, therapienaiven CLL-Patienten ohne 17p-Deletion oder TP53-Mutation ein empfohlener Ansatz war (4),a

Zudem hatte der BTK-Inhibitor in der zulassungsrelevanten Studie RESONATE-2 mit einem 5-Jahres-PFS von 70% eine langanhaltende Wirksamkeit aufgezeigt (5). Diese solide Evidenzbasis unterstreicht die breite Empfehlung der DGHO-Leitlinie, Ibrutinib bei allen Patientengruppen in der CLL-Erstlinientherapie einzusetzen (6).

a Die hier dargestellten Ergebnisse der Studie von Woyach et al. beziehen sich auf die Studienarme 1 und 2 (1: Ibrutinib, 2: BR). Diese werden hier isoliert von Studienarm 3 betrachtet.

Literatur:

(1) Aktuelle Imbruvica®-Fachinformation
(2) Shanafelt TD et al., N Engl J Med 2019;381:432-443
(3) Shanafelt TD et al. ASH 2019; Oral Presentation #33
(4) Woyach JA et al., N Engl J Med 2018;379:2517-2528
(5) Burger JA et al., Leukemia 2020;34:787-798
(6) Onkopedia Leitlinie CLL, Stand April 2019, https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/chronische-lymphatische-leukaemie-cll/@@guideline/html/index.html, letzter Zugriff: September 2020

Quelle: Janssen-Cilag


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