FDA erteilt Zulassung für Roche-Kombinationstherapie mit Cotellic (Cobimetinib) und Zelboraf (Vemurafenib) bei fortgeschrittenem Melanom

16. November 2015 | Kategorie: Substanzen

 

Haematologie-info  
  • FDA-Zulassung unterstreicht die Bedeutung von zielgerichteten Medikamenten bei der Therapie von Patienten mit BRAF-V600-Mutation-positivem fortgeschrittenem Melanom
  • Die zulassungsrelevante coBRIM-Studie hat ergeben, dass die Kombination von Cotellic und Zelboraf das progressionsfreie und das Gesamtüberleben gegenüber Zelboraf allein verbesserte

Wie Roche (SIX: RO, ROG; OTCQX: RHHBY) heute bekannt gab, hat die amerikanische Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) die Zulassung für Cotellic (Cobimetinib) in Kombination mit Zelboraf (Vemurafenib) zur Behandlung von Patienten mit BRAF-V600E- oder -V600K-Mutation-positivem fortgeschrittenem Melanom erteilt. Cotellic und Zelboraf werden nicht zur Behandlung von Melanomen mit normalem BRAF-Gen eingesetzt. Cotellic ist das siebte neue Medikament von Roche, das die FDA in den vergangenen fünf Jahren zugelassen hat.

„Die kombinierte Anwendung von Cotellic und Zelboraf trägt dazu bei, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und hilft dadurch Patienten, bedeutend länger zu leben als mit Zelboraf allein“, so Sandra Horning, Chief Medical Officer und Leiterin der globalen Produktentwicklung. „Mit dieser Zulassung steht Patienten mit dieser bösartigen und aggressiven Form von Hautkrebs jetzt eine neue zielgerichtete Therapieoption zur Verfügung.“

Die heutige FDA-Zulassung stützt sich auf die Resultate der Phase-III-Studie coBRIM, die gezeigt hat, dass die Kombination von Cotellic und Zelboraf das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung oder den Tod (progressionsfreies Überleben, PFS) rund um die Hälfte reduzierte [HR=0,56, 95%-KI (0,45-0,70); p<0,001]. Das mediane PFS betrug 12,3 Monate für Cotellic plus Zelboraf, verglichen mit 7,2 Monaten für Zelboraf allein1. Eine Zwischenauswertung hat ferner gezeigt, dass die Kombination von Cotellic und Zelboraf Patienten zu einem signifikant längeren Überleben verhalf (Gesamtüberleben, OS) als bei der Behandlung mit Zelboraf allein (HR=0,63, 95%-KI (0,47-0,85); p=0,0019). Die objektive Ansprechrate (Schrumpfen des Tumors) war mit Cotellic plus Zelboraf höher als mit Zelboraf allein (70 vs. 50 Prozent; p<0,001), ebenso die komplette Ansprechrate (komplettes Schrumpfen des Tumors, 16 vs. 11 Prozent)1.

Mögliche schwere Nebenwirkungen von Cotellic sind: Risiko von Hautkrebserkrankungen, erhöhtes Blutungsrisiko, Herzprobleme, die zu einer ungenügenden Pumpleistung des Herzes führen können, Hautausschlag, Augenprobleme, abnorme Leberfunktionswerte oder Leberschädigung, erhöhte Konzentrationen eines Enzyms im Blut sowie Lichtempfindlichkeit. Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Cotellic gehören Durchfall, Sonnenbrand oder Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht, Übelkeit, Fieber und Erbrechen. Cotellic kann ferner zu veränderten Blutuntersuchungswerten führen.

Die abschliessende Gesamtauswertung der coBRIM-Studie wird am internationalen Kongress der Society for Melanoma Research (SMR) 2015 vorgestellt, der vom 18.–21. November in San Francisco, Kalifornien (USA) stattfindet.

Im September gab der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) ein positives Gutachten zum Zulassungsgesuch von Roche für Cotellic in der Europäischen Union ab. Eine Entscheidung der Europäischen Kommission wird noch vor Ende 2015 erwartet. In der Schweiz wurde Cotellic von Swissmedic im August 2015 zugelassen.

Über die coBRIM-Studie

Bei CoBRIM handelt es sich um eine internationale, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-III-Studie zur Beurteilung der Sicherheit und Wirksamkeit von einmal täglich 60 mg Cotellic plus zweimal täglich 960 mg Zelboraf, verglichen mit zweimal täglich 960 mg Zelboraf plus ein Placebo. In der Studie wurden 495 Patienten mit BRAF-V600-Mutation-positivem inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Melanom (Nachweis mit dem cobas 4800 BRAF Mutation Test), deren fortgeschrittene Erkrankung zuvor noch nicht behandelt wurde, nach Zufallskriterien (randomisiert) der Behandlung mit Zelboraf einmal täglich über einen 28-tägigen Zyklus plus Cotellic oder Placebo an den Tagen 1–21 zugeteilt. Die Behandlung wurde bis zum Fortschreiten der Erkrankung, Auftreten einer unannehmbaren toxischen Wirkung oder Widerrufung der Einwilligung fortgesetzt. Primärer Endpunkt ist das vom Prüfarzt beurteilte progressionsfreie Überleben (PFS). Sekundäre Endpunkte sind: Von einem unabhängigen Überprüfungsgremium beurteiltes PFS, objektive Ansprechrate, Gesamtüberleben, Ansprechdauer und weitere Messgrössen der Sicherheit, Pharmakokinetik und Lebensqualität2.

Über Cotellic plus Zelboraf

Cotellic und Zelboraf sind verschreibungspflichtige Medikamente, die kombiniert zur Behandlung eines malignen Melanoms eingesetzt werden, das im Körper gestreut hat oder chirurgisch nicht entfernt werden kann und bei dem das Gen für das BRAF-Protein mutiert ist. Das bei rund der Hälfte aller Melanome3 mutierte BRAF-Protein führt zu einer überaktiven Signalgebung in den Krebszellen und fördert dadurch das Tumorwachstum4,5. Zelboraf blockiert bestimmte mutierte Formen des BRAF-Proteins, und Cotellic hemmt bestimmte Formen von MEK. Sowohl BRAF als auch MEK sind Proteine in einem zellulären Signalweg, durch den Wachstum und Überleben von Zellen gesteuert werden6. Bei kombinierter Anwendung zögern Cotellic und Zelboraf das Wachstum von Krebszellen vermutlich länger hinaus als dies mit Zelboraf allein der Fall ist. Vor der Therapie wird mit einem Test überprüft, ob Cotellic und Zelboraf für den Patienten geeignet sind. Es ist nicht bekannt, ob Cotellic und Zelboraf bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sicher und wirksam sind.

Über malignes Melanom

Das maligne Melanom („schwarzer Hautkrebs“) ist zwar seltener, aber aggressiver und bösartiger als andere Formen von Hautkrebs.7,8 Das BRAF-Gen ist bei zirka der Hälfte aller Melanome mutiert.3 Wenn ein Melanom frühzeitig diagnostiziert wird, ist es im Allgemeinen gut heilbar.9,10 Die meisten Patienten mit fortgeschrittenem Melanom haben jedoch eine schlechte Prognose.8 Jedes Jahr wird bei mehr als 232 000 Menschen weltweit ein Melanom diagnostiziert.11 In den letzten Jahren gab es erhebliche Fortschritte bei der Behandlung des metastasierenden Melanoms, sodass den Patienten mit dieser Erkrankung heute mehr Therapiemöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dennoch bleibt das maligne Melanom nach wie vor ein ernstes Gesundheitsproblem mit hohem medizinischem Bedarf und kontinuierlich steigender Inzidenz in den vergangenen 30 Jahren.12

Über Roche und Hautkrebs

Die Roche-Gruppe ist der weltweit führende Anbieter von Produkten zur Krebstherapie, darunter Krebsmedikamente, Produkte zur unterstützenden Behandlung und Diagnostika. Wissenschaftler von Roche erforschen seit fast zwanzig Jahren Medikamente gegen Hautkrebs. Über 28 000 Patienten wurden weltweit bereits behandelt. Zu den medizinischen Durchbrüchen und neuen Therapiestandards zählen unter anderem Zelboraf und Erivedge zur Behandlung des metastasierenden Melanoms und des Basalzellkarzinoms, zwei der am schwersten zu behandelnden Hautkrebsarten. Roche prüft diese Hautkrebsmedikamente weiterhin als Monotherapien und in Kombination mit anderen Prüfmedikamenten, wie z. B. Krebsimmuntherapeutika, bei verschiedenen Krebsarten und Erkrankungen.

Über Roche

Roche mit Hauptsitz in Basel, Schweiz, ist eines der führenden Unternehmen im forschungsorientierten Gesundheitswesen. Es vereint die Stärken der beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics und entwickelt als weltweit grösstes Biotech-Unternehmen differenzierte Medikamente für die Onkologie, Immunologie, Infektionskrankheiten, Augenheilkunde und Neurowissenschaften. Roche ist auch der weltweit bedeutendste Anbieter von Produkten der In-vitro-Diagnostik und gewebebasierten Krebstests und ein Pionier im Diabetesmanagement. Medikamente und Diagnostika, welche die Gesundheit, die Lebensqualität und die Überlebenschancen von Patienten entscheidend verbessern, sind Ziel der Personalisierten Medizin, eines zentralen strategischen Ansatzes von Roche. Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1896 hat Roche zahlreiche wichtige Beiträge zur Gesundheit in der Welt geleistet. Auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation stehen 29 von Roche entwickelte Medikamente, darunter lebensrettende Antibiotika, Malariamittel und Chemotherapeutika.

Die Roche-Gruppe beschäftigte 2014 weltweit über 88 500 Mitarbeitende, investierte 8,9 Milliarden Schweizer Franken in Forschung und Entwicklung und erzielte einen Umsatz von 47,5 Milliarden Schweizer Franken. Genentech in den USA gehört vollständig zur Roche-Gruppe. Roche ist Mehrheitsaktionär von Chugai Pharmaceutical, Japan. Weitere Informationen finden Sie unter www.roche.com.

Alle erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt.
Literatur
1.Larkin J et al., Update of progression-free survival and correlative biomarker analysis from coBRIM: cobimetinib plus vemurafenib in advanced BRAF-mutated melanoma. Abstract presented at ASCO, Chicago, IL, USA, 29 May – 2 June 2015; abstract #9006.
2.Larkin JM, et al. Combined Vemurafenib and Cobimetinib in BRAF-Mutated Melanoma. N Engl J Med. 2014;371(20):1867-76.
3.Ascierto PA, et al. The role of BRAF V600 mutation in melanoma. J Transl Med. 2012;10:85.
4.Safaee Ardekani G, et al. The prognostic value of BRAF mutation in colorectal cancer and melanoma: a systematic review and meta-analysis. PLoS One. 2012;7(10):e47054.
5.Haferkamp S, et al. Vemurafenib induces senescence features in melanoma cells. J Invest Dermatol. 2013;133:1601-9.
6.Khavari TA, et al. Ras/Erk MAPK signaling in epidermal homeostasis and neoplasia. Cell Cycle. 2007;6:2928-31.
7.Algazi AP, et al. Treatment of cutaneous melanoma: current approaches and future prospects. Cancer Manag Res. 2010;2:197-211.
8.Finn L, et al. Therapy for metastatic melanoma: the past, present, and future. BMC Med. 2012;10:23.
9.Leong SP. Future perspectives on malignant melanoma. Surg Clin North Am. 2003;83:453-6.
10.Creagan ET. Malignant melanoma: an emerging and preventable medical catastrophe. Mayo Clin Proc. 1997;72:570-4.
11.Ferlay J, Soerjomataram I, Ervik M, Dikshit R, Eser S, Mathers C, Rebelo M, Parkin DM, Forman D, Bray, F. GLOBOCAN 2012 v1.0, Cancer Incidence and Mortality Worldwide: IARC CancerBase No. 11 [Internet]. Lyon, France: International Agency for Research on Cancer; 2013. Available from: http://globocan.iarc.fr/Pages/fact_sheets_population.aspx; Last accessed September 2015.
12.Bataille V. Risk factors for melanoma development. Expert Rev Dermatol. 2009;4:533-9.

Quelle: Roche


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