Follikuläres Lymphom


Das follikuläre Lymphom trägt seinen Namen aufgrund der typischerweise kugelförmigen (follikulären) Ansammlung von B-Lymphozyten im Lymphknoten.
Das follikuläre Lymphom macht etwa 25 % aller neu diagnostizierten NHL-Fälle aus und zählt damit zu den häufigsten Formen der malignen Lymphome. Pro Jahr erkranken in Deutschland 3 bis 4 Menschen pro 100.000 Einwohner, wobei das Durchschnittsalter bei Erstdiagnose 60 bis 65 Jahre beträgt.

Wie entsteht ein follikuläres Lymphom?
Die genauen Ursachen des follikulären Lymphoms sind bisher noch nicht abschließend geklärt. Allerdings findet man in den Lymphomzellen vieler Patienten eine Veränderung der zellulären Strukturen, die die Erbinformation tragen, den sogenannten Chromosomen. Der Austausch von Bruchstücken von zwei Chromosomen, eine sogenannte Translokation, betrifft beim follikulären Lymphom meist die Chromosomen 14 und 18 (Abkürzung: t(14;18)). Sie bedingt eine Hemmung der Apoptose von B-Lymphozyten, das heißt die Zellen sterben nicht kontrolliert und planmäßig ab, sondern sammeln sich zunehmend in den lymphatischen Geweben an. Die zugrundeliegende Veränderung im Erbgut entsteht zufällig im Laufe des Lebens und wird nicht vererbt. Welche Faktoren diese Translokation und andere Veränderungen der Erbinformation auslösen, ist bisher nicht abschließend geklärt.

Was sind die Symptome eines follikulären Lymphoms?
Das follikuläre Lymphom ist durch ein sehr langsames aber stetiges Wachstum gekennzeichnet und wird oft erst in späten Krankheitsstadien diagnostiziert, da frühe Stadien häufig symptomlos verlaufen.
Eine zunehmende und oft schmerzlose Lymphknotenvergrößerung kann einen Hinweis auf ein follikuläres Lymphom darstellen. Manche Patienten leiden auch an einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Müdigkeit oder den sogenannten „B-Symptomen“: Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust. Infolge der starken Vermehrung von Lymphomzellen können neben Lymphknoten auch andere lymphatische Organe, wie die Milz, vergrößert sein. Kommt es zu einem Befall des Knochenmarks durch die Lymphomzellen, so wird die normale Bildung von Blutzellen gestört. Dies äußert sich durch verschiedenste Beschwerden wie Blässe, Schwächegefühl, Müdigkeit (Mangel an roten Blutkörperchen = Erythrozyten), einer höheren Infektanfälligkeit (Mangel an weißen Blutkörperchen = Leukozyten) oder seltener Nasen- und Zahnfleischbluten, Blutergüssen und kleinen, fleckförmigen Blutungen der Haut (Petechien) (durch einen Mangel an Blutplättchen = Thrombozyten).

Weniger häufig kommt auch ein Befall von anderen lymphatischen oder nicht-lymphatischen Geweben vor, beispielsweise im Kopf-Hals-Bereich, im Magen-Darm-Trakt oder der Haut. Je nach Gewebe kann das Lymphom dann auch zu anderen klinischen Beschwerden führen.

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Wie wird ein follikuläres Lymphom diagnostiziert?
Nach einem ausführlichen Anamnesegespräch führt der Arzt zunächst eine körperliche Untersuchung durch, bei der unter anderem ein besonderes Augenmerk auf eine mögliche Vergrößerung von Lymphknoten oder anderen lymphatischen Organen, wie der Milz, gelegt wird.
Weiterhin wird das Blut des Patienten untersucht. Anhand des Befundes kann der Arzt sich einen Eindruck des gesundheitlichen Allgemeinzustandes und der Funktion verschiedener Organe wie Leber oder Niere verschaffen, Infektionen als Ursache für eine Lymphknotenvergrößerung ausschließen und einen Knochenmarksbefall durch Lymphomzellen mit Verdrängung der Blutbildung erkennen.
Eine wichtige Maßnahme ist außerdem die operative Entfernung und mikroskopische Untersuchung eines vergrößerten Lymphknotens. Das Wachstumsmuster eines follikulären Lymphoms kann entweder rein follikulär (kugelförmige Anordnung) erscheinen oder eine Mischung von diffusen (ohne Anordnung) und follikulären Bereichen aufweisen. Ein spezialisierter Pathologe kann anhand des Befundes einschätzen, welchen Tumorgrad das follikuläre Lymphom aufweist, also wie aggressiv der Tumor sich verhält. Unterschieden werden die Grade I bis IIIa (indolent), sowie IIIb (aggressiv). Diese Einschätzung findet anschließend Berücksichtigung bei der Wahl der Therapie.
Zur Beurteilung, wie weit sich das follikuläre Lymphom bereits im Körper ausgebreitet hat, werden einerseits Blut- und Knochenmark auf Lymphomzellen untersucht und andererseits bildgebende Verfahren wie z. B. Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT, NMR) eingesetzt.
Zur Abgrenzung von anderen indolenten NHL-Arten kann zusätzlich mittels zytogenetischer Methoden (Fluoreszenz in situ Hybridisierung (FISH) oder Polymerase-Kettenreaktion (PCR)) die dem follikulären Lymphom zugrundeliegende Genveränderung (Translokation t(14;18)) in den Chromosomen der Lymphomzellen nachgewiesen werden.
Ist die Diagnose des follikulären Lymphoms gestellt, wird die Einteilung in eines von vier Stadien nach der sogenannten Ann-Arbor-Klassifikation für maligne Lymphome vorgenommen. Sie erfasst, neben dem Stadium, auch einen Befall außerhalb des lymphatischen Systems (Ergänzung des Buchstabens „E“) und das Auftreten von Allgemeinsymptomen: Bei Vorhandensein der sogenannten B-Symptome (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust) wird zusätzlich der Buchstabe „B“ ergänzt, bei deren Fehlen der Buchstabe „A“. Die Stadieneinteilung ist die Basis für die Therapieentscheidung.
Um die Prognose eines Patienten noch besser einschätzen zu können, wurde speziell für Patienten mit follikulärem Lymphom der Prognose-Index FLIPI (Follicular Lymphoma International Prognostic Index) entwickelt. Dieser berücksichtigt unter anderem das Alter des Patienten, die Ausbreitung des Tumors und bestimmte Enzymwerte im Blut (LDH, Laktatdehydrogenase) sowie den Hämoglobinwert im Blut. Anhand des FLIPI kann man Patienten in drei Risikogruppen mit unterschiedlicher Prognose einteilen.

Wie wird das follikuläre Lymphom behandelt?
Die Behandlung des follikulären Lymphoms erfolgt immer patientenindividuell und richtet sich neben dem Stadium der Erkrankung auch nach Alter und Gesundheitszustand des Patienten. In Stadium 1 und 2 gilt das follikuläre Lymphom noch als heilbar. In dieser Phase der Erkrankung wird meistens auf eine Strahlentherapie zurückgegriffen, die zusätzlich mit einer Immun- oder Chemotherapie kombiniert werden kann. Diese Therapien schädigen dabei die sich rasch vermehrenden Lymphomzellen stärker als die gesunden Körperzellen und verhindern oder reduzieren dadurch das Tumorwachstum.

In Stadium 3 und 4 ist eine Heilung zwar nicht mehr möglich, den Patienten stehen jedoch wirksame Behandlungsoptionen zur Verfügung, sodass die Krankheit noch lange Zeit gut kontrolliert werden kann. In einer asymptomatischen, nicht behandlungsbedürftigen Phase wird dem Patienten oft eine sogenannte „Watch & Wait Strategie“ nahegelegt. Das heißt, der Patient nimmt regelmäßige Untersuchungstermine bei seinem Arzt wahr, ohne dass direkt eine Therapie eingeleitet wird. Erst bei einer Verschlechterung der Erkrankung oder wenn der Patient über Beschwerden klagt, wird mit einer Behandlung begonnen. Die Therapie der Wahl ist dann häufig eine Immunchemotherapie. Hierbei wird eine herkömmliche Chemotherapie mit Antikörpern (Immuntherapie) kombiniert. Die Antikörper binden dabei an Oberflächenstrukturen der Lymphomzellen und schädigen diese direkt oder machen sie zu einem leichteren Ziel für die körpereigene Immunabwehr.
Bei jüngeren Patienten mit gutem Allgemeinzustand und wiederkehrender Erkrankung stellt auch eine Hochdosis-Chemotherapie und eine autologe Stammzelltransplantation (Übertragung von eigenen, aus dem Blut gewonnenen Stammzellen) eine Therapieoption dar.
Da der Krankheitsverlauf beim follikulären Lymphom von Patient zu Patient jedoch sehr unterschiedlich ist, sollte die optimale Therapie zusammen mit dem behandelnden Arzt unter Berücksichtigung des Patienten-individuellen Gesundheitszustandes festgelegt werden.

Weblinks & Literatur


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