Mantelzelllymphom


Die Zellen des Mantelzelllymphoms ähneln denjenigen B-Lymphozyten, welche sich im Randbereich der Lymphfollikel – der sogenannten Mantelzone – befinden. In Westeuropa erkranken jährlich ca. 1-2 von 100.000 Personen neu an einem Mantelzell-Lymphom, wobei Männer etwa dreimal häufiger betroffen sind als Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter beträgt ca. 65 Jahre, wobei auch jüngere und ältere Patienten betroffen sein können.

Wie entsteht ein Mantelzelllymphom?
Die Ursachen des Mantelzelllymphoms sind noch nicht abschließend geklärt, jedoch findet man in den Lymphomzellen vieler Patienten Veränderungen der zellulären Strukturen, die die Erbinformation tragen, den sogenannten Chromosomen. Häufig sind beim Mantelzelllymphom die Chromosomen 11 und 14 verändert. Durch Austausch von Bruchstücken dieser Chromosomen, einer sogenannten Translokation (Abkürzung: t(11;14)) kommt es zu einer erhöhten Produktion des Eiweiß Cyclin D1, das die Teilung und das Wachstum von Zellen steuert. In der Folge vermehren sich die betroffenen B-Lymphozyten übermäßig. Welche Faktoren diese Translokation und andere Veränderungen der Erbinformation auslösen, ist bisher nicht geklärt. Es scheint keinen Zusammenhang mit Infektionen oder einer erblichen Veranlagung zu geben. Jedoch spielen sehr wahrscheinlich noch weitere genetische Veränderungen in den Lymphomzellen eine Rolle für die Entstehung eines Mantelzell-Lymphoms, da eine alleinige Translokation t(11;14) nicht für die Krankheitsentstehung ausreichend zu sein scheint.

Was sind die Symptome eines Mantelzelllymphoms?
Häufig verursacht das Mantelzelllymphom zu Beginn keine spezifischen Symptome, und es wird deshalb meist erst in späten Krankheitsstadien diagnostiziert. Die Patienten leiden an Müdigkeit, häufigen Infekten, Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust. Infolge der starken Vermehrung von Lymphomzellen können Lymphknoten und Milz vergrößert sein. Kommt es zu einem Befall des Knochenmarks durch die Lymphomzellen, so wird die normale Bildung von Blutzellen gestört. Dies äußert sich durch verschiedenste Beschwerden wie Blässe, Schwächegefühl, Müdigkeit (Mangel an roten Blutkörperchen = Erythrozyten), einer höheren Infektanfälligkeit (Mangel an weißen Blutkörperchen = Leukozyten) oder seltener Nasen- und Zahnfleischbluten, Blutergüssen und kleinen, fleckförmigen Blutungen der Haut (Petechien) (durch einen Mangel an Blutplättchen = Thrombozyten).
Wenn sich die Lymphomzellen auch im Magen-Darm-Trakt und Gehirn ansammeln, können auch Beschwerden dieser Organe auftreten, was beim Mantelzell-Lymphom häufiger beobachtet wird als bei anderen indolenten Lymphomen.

Service Celgene

Wie wird ein Mantelzelllymphom diagnostiziert?
Zur Diagnose führt der Arzt zunächst eine körperliche Untersuchung durch, im Rahmen derer Vergrößerungen von Leber, Milz oder geschwollene Lymphknoten festgestellt werden können. Für eine exakte Diagnose eines Mantelzell-Lymphoms sind jedoch weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich:

Ein großes Blutbild gibt Aufschluss über Abweichungen von der Normzahl an Erythro-, Leuko- und Thrombozyten und die genaue Verteilung und Funktion der verschiedenen Leukozyten. Zudem kann die Blutsenkungsgeschwindigkeit ermittelt und Blutparameter (z.B. Gesamteiweiß, Laktatdehydrogenase) bestimmt werden.

Untersuchungen des lymphatischen Gewebes und des Knochenmarks – in einem kleinen ambulanten Eingriff wird ein vergrößerter Lymphknoten entnommen sowie durch eine Punktion Knochenmark gewonnen, und das Gewebe anschließend mikroskopisch, immunologisch und genetisch untersucht. In den meisten Fällen zeigen die Lymphomzellen die für das Mantelzell-Lymphom charakteristischen Veränderungen und präsentieren sich als kleine bis mittelgroße Zellen mit unregelmäßigem Zellkern, der eine Einkerbung aufweist.

Zur Abgrenzung gegenüber anderen Lymphomarten erfolgt zusätzlich ein Nachweis des Eiweiß Cyclin D1 mit Hilfe immunhistochemischer Methoden.
Zudem wird das Erbmaterial (Chromosomen) der Lymphomzellen untersucht (zytogenetische Untersuchungen). Mittels eines spezifischen Nachweisverfahrens (FISH, Fluoreszenz In Situ Hybridisierung) kann die Genveränderung (t(11;14) Translokation), die der Überproduktion von Cyclin D1 zugrunde liegt, nachgewiesen werden.

Mit Hilfe bildgebender Verfahren (z.B. Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT, NMR)) kann die Ausbreitung des Tumors im Körper beurteilt und das Mantelzell-Lymphom anschließend anhand der sogenannten Ann-Arbor-Klassifikation für maligne Lymphome in eines von vier Stadien eingeteilt werden. Sie erfasst, neben dem Stadium, auch einen Befall außerhalb des lymphatischen Systems (Ergänzung des Buchstabens „E“) und das Auftreten von Allgemeinsymptomen: Bei Vorhandensein der sogenannten B-Symptome (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust) wird zusätzlich der Buchstabe „B“ ergänzt, bei deren Fehlen der Buchstabe „A“. Die Stadieneinteilung ist die Basis für die Therapieentscheidung.
Für die Bestimmung der Prognose wird ferner ein speziell für Patienten mit Mantelzell-Lymphom entwickelter Prognose-Index MIPI (Mantle cell lymphoma International Prognostic Index) herangezogen. Dieser berücksichtigt das Alter und den Allgemeinzustand des Patienten, bestimmte Enzymwerte im Blut (LDH, Laktatdehydrogenase) sowie die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut. Mit dem Prognose-Index MIPI kann man Patienten in drei Risikogruppen mit unterschiedlicher Prognose einteilen.
Der Proliferationsmarker Ki67 schließlich gibt Auskunft über die Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors. Höhere Prozentwerte bedeuten, dass der Tumor aggressiver ist.

Wie wird das Mantelzelllymphom behandelt?
Verläuft die Erkrankung langsam, ohne Symptome und wenig aggressiv (indolent), dies ist bei ca. 10-15 % der Patienten mit Mantelzelllymphom der Fall, muss nicht zwingend sofort eine Behandlung eingeleitet werden. Es sollte jedoch eine engmaschige Überwachung stattfinden, da das indolente in ein aggressives Mantelzell-Lymphom übergehen kann. Diese Vorgehensweise wird auch als „Watch & Wait Strategie“ bezeichnet.

In den Stadien I und II nach Ann Arbor mit nur kleinem Lymphknotenbefall kann eine verkürzte Chemotherapie gefolgt von einer Strahlentherapie durchgeführt werden. Chemotherapie und ionisierende Strahlung schädigen dabei die sich rasch vermehrenden Lymphomzellen stärker als die gesunden Körperzellen und verhindern oder reduzieren dadurch das Tumorwachstum.

Die meisten Behandlungsansätze beruhen allerdings auf der Kombination von Chemotherapeutika mit Antikörpern (Immunchemotherapie). Die Antikörper binden dabei an Oberflächenstrukturen der Lymphomzellen und schädigen diese direkt oder machen sie zu einem leichteren Ziel für die körpereigene Immunabwehr. Neben diesen Substanzen kommen insbesondere in fortgeschrittenen Therapielinien neuere Wirkstoffe, wie Proteasominhibitoren, Kinaseinhibitoren und immunmodulierende Wirkstoffe zum Einsatz. Bei jüngeren Patienten mit gutem Allgemeinzustand stellt eine Hochdosis-Chemotherapie und eine autologe Stammzelltransplantation (Übertragung von eigenen, aus dem Blut gewonnenen Stammzellen) eine Therapieoption dar. Durch diese Therapieansätze kann das Mantelzell-Lymphom bei vielen Patienten einige Jahre kontrolliert werden. Bei Wiederauftreten der Erkrankung kann bei jüngeren Patienten mit gutem Allgemeinzustand eine allogene Stammzelltransplantation (Übertragung von Stammzellen eines gesunden Fremdspenders) eine Therapieoption sein.

Da der Krankheitsverlauf beim Mantelzelllymphom von Patient zu Patient jedoch sehr unterschiedlich ist, sollte die optimale Therapie zusammen mit dem behandelnden Arzt unter Berücksichtigung des Patienten-individuellen Gesundheitszustandes festgelegt werden.

Weblinks & Literatur:

  • Patienteninformationen zum Mantelzelllymphom zum Bestellen und Herunterladen erhalten Sie bei service.celgene.de
  • Kompetenznetz Lymphome, Einführung und Mantelzelllymphom: www.lymphome.de/mantelzell-lymphom
  • Infoportal für Patienten zum Non-Hodgkin-Lymphom, Mantelzelllymphom: www.NHLinfo.de
  • DGHO Leitlinie, Mantelzell-Lymphom, Version April 2019
  • Dreyling M, Campo E, Hermine O et al. Newly diagnosed and relapsed mantle cell lymphoma: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Annals of Oncology, 2017; 28 Suppl 4: iv62-iv71
  • Hiddemann W, Dreyling M, Stein H Lymphome – Neue Erkenntnisse und Therapiestrategien, Thieme Verlag Stuttgart, 2005
  • Hoster E, Dreyling M, Klapper W et al. A new prognostic index (MIPI) for patients with advanced-stage mantle cell lymphoma. Blood, 2008; 111 Suppl 2: 558-565
  • Klapper W, Hoster E, Determann O et al. Ki-67 as a prognostic marker in mantle cell lymphoma-consensus guidelines of the pathology panel of the European MCL Network. J Hematopathol 2009; 2: 103–111
  • Glossar des Myelom-Portals: www.myelom-portal.de/service/glossar

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