HR+, HER2- Mammakarzinom: Signifikant verlängertes Überleben unter Abemaciclib

7. April 2020 | Kategorie: Substanzen

 

Haematologie-info  

Die Substanzklasse der CDK4 & 6 Inhibitoren ist im klinischen Alltag angekommen. Einen wichtigen Beitrag hierzu haben die Überlebensdaten zu Abemaciclib (Verzenios®) (1) in der Behandlung von Patientinnen mit fortgeschrittenem Hormonrezeptor-positiven und HER2-negativen (HR+, HER2-) Mammakarzinom geleistet. Zu diesem Fazit kommen Experten, die auf einem Symposium im Rahmen des DKK 2020 den Stellenwert von Abemaciclib anhand von aktuellen Studiendaten und Fallbeispielen aus der Praxis diskutierten.

Für die Patientin mit metastasiertem Brustkrebs (mBC) ist der möglichst lange Erhalt der Lebensqualität zusammen mit dem Überleben eines der wichtigsten Therapieziele, betonte Prof. Dr. Hans Tesch, Frankfurt am Main. Da die endokrine Therapie bei HR+ Erkrankung vergleichbar wirksam und weniger belastend ist als die Chemotherapie, wird sie in aktuellen Leitlinien an erster Stelle empfohlen. Ihre Wirksamkeit bei HR+/ HER2- mBC-Patientinnen kann durch die Kombination mit einem CDK4 & 6 Inhibitor wie Abemaciclib erheblich verbessert werden (2, 3). Die überlegene Wirksamkeit in Verbindung mit einem vergleichsweise gut handhabbaren Nebenwirkungsprofil sowie der erhaltenen Lebensqualität haben zur Aufnahme dieser neuen Substanzklasse in nationale und internationale Leitlinien und Empfehlungen geführt.

Verlängertes Gesamtüberleben

Abemaciclib ist indiziert zur Behandlung von Frauen mit HR+, HER2- lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, wobei es in Kombination mit Fulvestrant oder einem Aromatasehemmer als initiale endokrine Therapie oder nach vorangegangener endokriner Therapie eingesetzt werden kann (1). Die Gesamtüberlebensdaten zu Abemaciclib entstammen der Phase-III-Studie MONARCH 2, die die Basis der Zulassung von Abemaciclib bei Patientinnen mit HR+, HER2- fortgeschrittenem Mammakarzinom in der Erst- und Zweitlinie in Kombination mit Fulvestrant bildete (2, 4).
Wie Prof. Dr. Johannes Ettl, Technische Universität München, ausführte, verbesserte die Zugabe von Abemaciclib zu Fulvestrant in MONARCH 2 konsistent in allen untersuchten Subgruppen signifikant das progressionsfreie Überleben (PFS). Die Verbesserung des PFS übertrug sich auf das OS (sekundärer Endpunkt): Im Abemaciclib-Studienarm zeigte sich eine signifikante OS-Verlängerung um median 9,4 Monate (46,7 vs. 37,3 Monate, HR=0,757, p=0,0137). Von der Abemaciclib-Kombination profitierten auch Patientinnen mit prognostisch ungünstigen Charakteristika (5), inklusive hohem Tumorgrading, negativem Progesteronrezeptorstatus, Leber- und nicht ausschließlich ossären Metastasen (4). Darüber hinaus konnte die Kombination aus Abemaciclib und Fulvestrant die mediane Zeit bis zu einer nachfolgenden Chemotherapie im Vergleich zur Kontrollgruppe um mehr als 2 Jahre verlängern (2) – ein wichtiger Punkt für die Lebensqualität der Patientin, betonte Ettl.

Aus der Praxis: Patientin mit Hirnmetastasen

Im Tiermodell konnte gezeigt werden, dass Abemaciclib die Blut-Hirn-Schranke penetrieren kann (6). Im klinischen Setting konnten bei Patienten, die mit Abemaciclib behandelt wurden, im Hirngewebe und in der Spinalflüssigkeit ähnlich hohe Abemaciclib-Konzentrationen wie im Plasma nachgewiesen werden (7). Dies könnte den Einfluss von Abemaciclib bei Hirnmetastasen erklären, wie Hinweise der klinischen Studie zeigten (8), und so von Ettl am Beispiel einer 55-jährigen Patientin mit zerebral und intraabdominal metastasiertem Mammakarzinom dargelegt. Unter der Therapie mit Abemaciclib zeigten Verlaufs-CT-Untersuchungen innerhalb von 6 Monaten ein deutliches Ansprechen intraabdominal und eine Stable Disease im Bereich der Hirnmetastasen bei erhaltener Lebensqualität der Patientin.

Lebensqualität im Fokus

Für Betroffene in dieser Situation ist der Erhalt der Lebensqualität besonders wichtig, betonte Prof. Dr. Eva-Maria Grischke, Tübingen. Dies setzt eine gute Verträglichkeit der Therapie voraus. Die Daten der Studien MONARCH 2 und 3 deuten darauf hin, dass durch die Zugabe von Abemaciclib zur endokrinen Therapie eine Chemotherapie, die in der Regel mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden ist, signifikant verzögert werden kann (2, 3). Abemaciclib kann kontinuierlich gegeben werden und erweist sich dabei im Allgemeinen als gut verträglich. Häufigste Nebenwirkung ist Diarrhö (meist Grad 1 und 2), die meist mit rezeptfreien Medikamenten gut kontrolliert werden kann (1). Sie tritt meist am Anfang der Behandlung auf und sistiert im weiteren Therapieverlauf (1). Ein längeres Follow-up der MONARCH-3-Studie (3) bestätigt, dass die Diarrhoe im Abemaciclib-Arm meist mild ausgeprägt war (72,8% Grad 1 oder 2), überwiegend während des ersten Zyklus auftrat (69,1%) und im Therapieverlauf stark rückläufig war.

Literatur:

(1) Fachinformation Verzenios®, www.lilly-pharma.de/de/pdf/fachinformation/fachin-formation_verzenios.pdf (aktueller Stand).
(2) Sledge G et al. MONARCH 2: Abemaciclib in Combination With Fulvestrant in Women With HR+/HER2- Advanced Breast Cancer Who Had Progressed While Receiving Endocrine Therapy. J Clin Oncol 2017; 35: 2875-84.
(3) Goetz MP et al. MONARCH 3: Abemaciclib As Initial Therapy for Advanced Breast Cancer. J Clin Oncol 2017; 5: 3638-46.
(4) Sledge GW et al. The Effect of Abemaciclib Plus Fulvestrant on Overall Survival in Hormone Receptor–Positive, ERBB2-Negative Breast Cancer That Progressed on Endocrine Therapy – MONARCH 2. JAMA Oncol 2019; 6: 116-124.
(5) Di Leo A et al. Prognostic characteristics in hormone receptor-positive advanced breast cancer and characterization of abemaciclib efficacy. NPJ Breast Cancer 2018; 4: 41.
(6) Raub TJ et al. Brain Exposure of Two Selective Dual CDK4 and CDK6 Inhibitors and the Antitumor Activity of CDK4 and CDK6 Inhibition in Combination with Te-mozolomide in an Intracranial Glioblastoma Xenograft. Drug Metab Dispos 2015; 43: 1360-1371.
(7) Dahebjam S et al. Assessment of concentrations of abemaciclib and its major ac-tive metabolites in plasma, CSF, and brain tumor tissue in patients with brain me-tastases secondary to hormone receptor positive (HR+) breast cancer. J Clin On-col 2016; 34 (suppl.; Abstr 526).
(8) Anders et al. ASCO Annual Meeting 2019, Chicago, 31.05. – 04.06.2019, Abstract 1017.

Quelle: Lilly


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