Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) 2017:

27. Oktober 2017 | Kategorie: Pharmaindustrie

Der frühe Einsatz von Radium-223 und die gleichzeitige Gabe mit den neuartigen Antihormontherapien Abirateron und Enzalutamid können Patienten einen klinischen Vorteil bieten

Patienten, die Radium-223 früh im Krankheitsverlauf des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC) erhalten, zeigen tendenziell ein längeres Gesamtüberleben / Geeigneter Einsatzpunkt von Radium-223 bei Progress unter einer neuartigen Antihormontherapie / Es gibt Hinweise, dass Patienten, die Radium-223 gleichzeitig zu Abirateron oder Enzalutamid erhalten, länger leben als Patienten, die Radium-223 in Sequenz mit den neuartigen Antihormontherapien bekommen

Ein früher Einsatz von Radium-223 im Krankheitsverlauf des mCRPC mit Knochenmetastasen, wenn der Patient noch einen guten Allgemeinzustand aufweist, kann sich positiv auf die Lebensdauer des Patienten auswirken. (1,2,3) Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass die parallele Gabe von Radium-223 mit Abirateron oder Enzalutamid den Patienten einen weiteren Überlebensvorteil bieten kann. (3) Der Einsatz von Radium-223 in der Erstlinie verbaut dabei keine weiteren Therapieoptionen (4), und eine Chemotherapie ist danach noch durchführbar. (5) So lautet das Resümee der Experten des von Professor Dr. Andres Jan Schrader, Münster, moderierten Symposiums (*) der Bayer Vital GmbH auf dem 69. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU).

Radium-223 als Erstlinientherapie einsetzbar

Wie Professor Dr. Johannes Wolff, Düsseldorf, erklärte, haben Ärzte eine ganze Reihe an Therapiemöglichkeiten beim mCRPC. Bei mCRPC-Patienten mit ossärer Metastasierung und vorliegender Symptomatik ohne bekannte viszerale Metastasen ist der Einsatz von Radium-223 indiziert. (6) Das Alphastrahlen emittierende Radionuklid Radium-223 ist unter den lebensverlängernden Therapien, wie Abirateron und Enzalutamid sowie den bekannten Chemotherapeutika, der einzige Vertreter der zielgerichteten Alpha-Therapie (TAT: Targeted Alpha-Therapy): (7,8) Die Ergebnisse der Zulassungsstudie ALSYMPCA (9) bildeten die Grundlage für die hochrangigen Leitlinienempfehlungen. (10) In der ALSYMPCA verlängerte Radium-223 (+ bestmöglicher Therapiestandard) das mediane Gesamtüberleben (OS) signifikant um 3,6 Monate im Vergleich zu Placebo (+ bestmöglicher Therapiestandard). (9) Laut Dr. Jörg Klier, Köln, wurde die Wirksamkeit von Radium-223 durch die Daten der Phase-IIIb-Studie (internationales Early Access Programm, iEAP) bestätigt. Unter den ‚Real-Life‘-Bedingungen der Phase-IIIb-Studie wurde ein medianes OS von 16 Monaten erreicht, das vergleichbar mit dem der ALSYMPCA (14,9 Monate) ist. (3)

Lymphknotenmetastasen kein Ausschlusskriterium für Radium-223-Therapie

Xofigo® (Radium-223-dichlorid) ist zugelassen für die Behandlung von Erwachsenen mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom und symptomatischen Knochenmetastasen ohne bekannte Viszeralmetastasen. (6) Dr. Frank König, Berlin, ergänzte, dass Lymphknotenmetastasen keine Viszeralmetastasen sind und daher kein Ausschlusskriterium für eine Behandlung mit Radium-223 darstellen. So waren viszeralen Metastasen in der Zulassungsstudie ALSYMPCA bis 3 cm und in der anschließenden Phase-IIIb-Studie (iEAP) bis 6 cm erlaubt. (3,9,11)

Dass der Begriff der ‚symptomatischen Knochenmetastasen‘ weit gefasst werden sollte, erörterte Sebastian Mehl, ein erfahrener Nuklearmediziner aus Berlin. Auch wenn fast alle Patienten mit ossärer Metastasierung durch die Knochenmetastasen bedingte Schmerzen haben und Schmerzmedikamente einnehmen, gebe es zusätzliche Faktoren, die Knochenmetastasen des Prostatakarzinoms symptomatisch werden lassen. So haben viele Patienten mit Metastasen auch Funktions- und Mobilitätseinschränkungen, pathologische Frakturen oder Symptome tumorbedingter Hyperkalzämie. (11) Patienten, deren Lebensqualität (LQ) eingeschränkt ist, sind ebenfalls als symptomatisch anzusehen. (12)

Wie in der ALSYMPCA-Studie gezeigt, berichteten rund 24,6 % (FACT-P-Fragebogen) und 29,2 % (EQ-5D-Fragebogen) der befragten Patienten, dass sich ihre LQ unter dem Radionuklid deutlich verbessert hat. Zum Vergleich: In der Kontrollgruppe gaben 16,1 % bzw. 18,5 % der befragten Patienten eine Verbesserung der LQ an. (13)

Früher Einsatz von Radium-223 kann OS zusätzlich verlängern

Dr. Frank König diskutierte anhand verschiedener Daten der Phase-IIIb-Studie (iEAP) die Frage nach dem geeigneten Patienten für Radium-223. So gibt es Hinweise, dass bei Patienten, die Radium-223 früh im Erkrankungsstadium des mCRPC erhalten, die Therapie besser laufe, erklärte Dr. König: Patienten, die zum Zeitpunkt der Basisuntersuchung ein relativ gutes Allgemeinbefinden und eine geringe Tumorlast aufwiesen sowie weder Schmerzen hatten noch Opioide einnahmen, zeigten ein verlängertes medianes Gesamtüberleben (OS). (1,3,14,**)Hypothesengenerierende Post-Hoc-Analysen von Subgruppen einer einarmigen Phase-IIIb-Studie. Erhalten die Patienten gleichzeitig zu Radium-223 die neuartigen Antihormontherapien Abirateron oder Enzalutamid, scheinen sie im Median noch länger zu leben, kommentierte König weitere Ergebnisse der Phase-IIIb-Studie (iEAP). (3) Ein sehr geeigneter Zeitpunkt für einen Beginn der Radium-223-Therapie bei Patienten mit mCRPC unter bereits laufender neuartiger Antihormontherapie könnte laut Dr. König erreicht sein, sobald sich erste Hinweise auf einen Progress der Erkrankung etwa durch symptomatische Knochenmetastasen und den Anstieg des PSA (Prostata-spezifisches Antigen) oder der alkalischen Phosphatase (ALP) abzeichneten. (15,16) Oft könne dann die Behandlung mit Abirateron oder Enzalutamid nach Zugabe von Radium-223 länger fortgeführt werden, ergänzte Prof. Schrader.

Dass in der alltäglichen Praxis Radium-223 bei einer breiten Patientenpopulation und frühzeitig im Erkrankungsverlauf des mCRPC eingesetzt wird, zeigen die Patientencharakteristika der laufenden nicht-interventionellen REASSURE-Studie. (17) Primärer Endpunkt der Studie ist die Inzidenz sekundärer Malignome während der 7-jährigen Nachbeobachtungszeit in der Alltagsroutine der klinischen Praxis. In die Studie wurden bis September 2016 1.106 Patienten mit einem histologisch und zytologisch gesicherten, kastrationsresistenten Prostatakarzinom und Knochenmetastasen, ohne bekannte Viszeralmetastasen eingeschlossen: Die Interimsanalyse zeigte, dass Patienten, die Radium-223 in der Erst- (48 %) oder Zweitlinie (28 %) erhalten hatten, im Median 6 Injektionen bekamen, was dem vollständigen Therapieschema von Radium-223 entspricht, welches die Patienten auch in der ASLYMPCA im Median erreichten. (17)

Gleichzeitige Gabe von Radium-223 mit Abirateron oder Enzalutamid kann sich auszahlen

Prof. Dr. Johannes Wolff präsentierte Ergebnisse der Phase-IIIb-Studie (iEAP), in der die Wirksamkeit und Sicherheit der gleichzeitigen Gabe von Radium-223 mit Abirateron oder Enzalutamid mit der sequenziellen Gabe verglichen wurde. Es zeigten sich Hinweise, dass Patienten, die Radium-223 zusammen mit Abirateron oder Enzalutamid erhielten, ein deutlich längeres medianes Gesamtüberleben haben, als die Patienten, die die Therapien in Sequenz erhielten (OS: 18,1 vs. 12,0 Monate; HR=0,564). (18) Zudem gebe es Hinweise, dass die parallele Gabe sogar weniger therapiebedingte unerwünschte Ereignisse produziere als dies unter Sequenz der Fall sei, führte Prof. Wolff weiter aus. (18) Prof. Dr. Andres Jan Schrader machte dabei deutlich, dass dies mittlerweile gängige Praxis sei und bei ihm am Klinikum Prostatakarzinom-Patienten früh im Erkrankungsstadium des mCRPC Abirateron oder Enzalutamid zusammen mit Radium-223 erhielten. Die Fachinformation (6) lasse dies zu und er befürworte, diese Substanzen früh einzusetzen. Zudem gebe es keine bekannten Kreuzresistenzen zwischen den neuartigen Antihormontherapien und Radium-223.

tALP geeigneter Indikator für Therapieansprechen

Während der PSA-Wert für Patienten ohne Knochenmetasen einen guten Marker für das Ansprechen auf eine Therapie darstelle, so erklärte Dr. Jörg Klier, lasse unter einer laufenden Radium-223-Therapie weder der Anstieg noch der Abfall des PSA-Wertes einen Rückschluss auf die Effektivität der Behandlung zu. (19) Sebastian Mehl verwies dabei auf die Ergebnisse der ALSYMPCA-Studie. Eine Analyse evaluierte die tALP-Dynamik im Studienverlauf der Gesamt-alkalischen Phosphatase (tALP). (19) So hatten in Woche 12 87 % der Radium-223-Patienten einen Abfall der tALP im Vergleich zur Basiserhebung, verglichen mit 23 % der Kontrollgruppe. (19) Die klinische Relevanz dieser Verringerung zeigte sich darin, dass Patienten mit nachgewiesenem Abfall der tALP im Median 7,4 Monate länger und damit signifikant länger lebten als diejenigen, bei denen sich der Abfall nicht bestätigte. (19) Als Behandlungsoption bei steigendem PSA-Wert unter Radium-223 und stabilem ALP-Wert biete es sich an, eine systemische Therapie wie Abirateron oder Enzalutamid zusätzlich zu geben, um die Situation zu stabilisieren – darin waren sich die Experten einig.

Als Nuklearmediziner äußerte Herr Mehl, welche Informationen er vom Urologen vor Beginn der Therapie mit Radium-223 benötige. So brauche der Nuklearmediziner neben dem Nachweis der Kastrationsresistenz, dem Arztbrief, dem großen Blutbild und den PSA- und ALP-Werten auch eine Skelettszintigrafie und eine Bildgebung zum Ausschluss von viszeralen Metastasen (Röntgen Thorax, CT oder MRT), die nicht älter als drei Monate sein sollte. (6,20)

* „Alphantastisch! Das mCRPC Quiz“, 22. September 2017, Dresden.
** Hypothesengenerierende Post-Hoc-Analysen von Subgruppen einer einarmigen Phase-IIIb-Studie.

1. Saad et al. ASCO Annual Meeting 2015 (abstract #5034).
2. Heidenreich et al. ASCO Genitourinary Cancers Symposium 2017 (abstract #158).
3. Saad et al. Lancet Oncol 2016; 17:1306–1316.
4. Parker et al, The Prostate (2016) 76:905–916,
5. Sartor et al, Prostate. 2016 Jul; 76(10):905-16.
6. Fachinformation Xofigo®, Stand August 2017.
7. Baidoo et al. Clin Cancer Res. 2013; 19(3):530-537.
8. ESMO Pocket Guidelines Urogenital Cancer 2017.
9. Parker et al. N Engl J Med. 2013; 369:213–223.
10. Leitlinienprogramm Onkologie, S3-Leitlinie Prostatakarzinom Langversion 4.0, Dezmeber 2016.
11. DGN Handlungsempfehlung S1 Stand 10/2015 – AWMF-Registernr.: 031-053.
12. Link Onkologe 2014; 20:766 -771.
13. Nilsson et al. Ann Oncol. 2016; 27:868–874.
14. Heidenreich et al. ASCO Genitourinary Cancers Symposium 2017 (abstract #158).
15. Mohler et al. NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology Prostate Cancer. Version 2. 2016. National Comprehensive Cancer Network; 2016:1-108. 2.
16. Mottet, Bellmunt et al. Guidelines on Prostate Cancer. European Association of Urology; 2015: 1-137.
17. Higano CS et al. J Clin Oncol 2017;35: Abstract 5042.
18. Saad et al. presented at EAU 2017, Abstract 57.
19. Sartor et al. Ann Oncol 2017 28:1090-1097.
20. Fricke et al. Nukleramedizin 5/2016.

Bayer: Science For A Better Life

Bayer ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den Life-Science-Gebieten Gesundheit und Agrarwirtschaft. Mit seinen Produkten und Dienstleistungen will das Unternehmen den Menschen nützen und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Gleichzeitig will der Konzern Werte durch Innovation, Wachstum und eine hohe Ertragskraft schaffen. Bayer bekennt sich zu den Prinzipien der Nachhaltigkeit und handelt als „Corporate Citizen“ sozial und ethisch verantwortlich. Im Geschäftsjahr 2016 erzielte der Konzern mit rund 115.200 Beschäftigten einen Umsatz von 46,8 Milliarden Euro. Die Investitionen beliefen sich auf 2,6 Milliarden Euro und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 4,7 Milliarden Euro. Diese Zahlen schließen das Geschäft mit hochwertigen Polymer-Werkstoffen ein, das am 6. Oktober 2015 als eigenständige Gesellschaft unter dem Namen Covestro an die Börse gebracht wurde. Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter www.bayer.de

Die Bayer Vital GmbH vertreibt die Arzneimittel der Divisionen Consumer Health und Pharmaceuticals sowie die Tierarzneimittel der Geschäftseinheit Animal Health in Deutschland. Mehr Informationen zur Bayer Vital GmbH finden Sie unter: www.gesundheit.bayer.de

Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung von Bayer beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

Quelle: Bayer


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