Krebsimmmuntherapie beim fortgeschrittenen NSCLC: Wirksamkeit und Sicherheit nur mit dem Original-Zytostatikum belegt

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Die Kombination aus Krebsimmuntherapie plus Chemotherapie hat sich als Erstlinienstandard für Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) etabliert. Sie bietet den Patienten die Chance auf eine anhaltende Tumorkontrolle mit der Perspektive auf ein Langzeitüberleben. Der Chemotherapie-Partner spielt dabei eine wichtige Rolle. Prof. Dr. Thomas Wehler, Hamm, warnt davor, das zytostatische Originalpräparat gegen ein Generikum auszutauschen.

Interview mit Prof. Dr. Thomas Wehler, Klinik für Hämatologie, Onkologie und Pneumologie, Evangelisches Krankenhaus Hamm, Lungenzentrum Hemer-Hamm.

Welche Bedeutung kommt der Chemotherapie bzw. dem Chemotherapie-Partner im Rahmen der Kombinationstherapie mit einem Checkpoint-Inhibitor zu?

Wehler: Die Kombination aus Chemo- und Immuntherapie hat sich innerhalb kürzester Zeit als Therapiestandard beim fortgeschrittenen NSCLC entwickelt. In Abhängigkeit von der Histologie und den Patienten-individuellen Faktoren werden unterschiedliche Regime eingesetzt. Der Erfolg der Chemo-/Immuntherapie basiert darauf, dass beide Therapieprinzipen interagieren und zu additiven Wirkeffekten führen. Der Chemotherapie-„Backbone“ spielt dabei eine wichtige Rolle, damit die komplexen Interaktionen so ablaufen, wie dies in den klinischen Zulassungsstudien validiert wurde.

Kann der Chemotherapie-Partner im klinischen Alltag durch ein Generikum ausgetauscht werden? Diese Frage stellt sich zum Beispiel beim Einsatz von nab-Paclitaxel, das in Kombination mit Atezolizumab bzw. Pembrolizumab für die Erstlinientherapie beim NSCLC zugelassen ist. Sowohl in der KN-407- als auch in den beiden Studien IMpower-130/-131 wurde das Originalpräparat (Abraxane®) eingesetzt.

Wehler: Solange keine Daten aus kontrollierten klinischen Studien vorliegen, die belegen, dass die komplexen Interaktionen zwischen Chemo- und Immuntherapie auch mit dem Generikum so ablaufen, wie dies in den klinischen Zulassungsstudien mit dem Originalpräparat validiert wurde, halte ich das Risiko für zu hoch, den Checkpoint-Inhibitor mit einem Generikum zu kombinieren. Wir beobachten im klinischen Alltag immer wieder, dass sich ein Generikum anders verhält als die Originalsubstanz. Je komplexer eine Molekülstruktur ist, umso größer ist dieses Risiko. Nicht umsonst wurden beispielsweise für die „Biosimilars“, die Nachahmersubstanzen der monoklonalen Antikörper, die Zulassungsbedingungen verschärft. Auch nab-Paclitaxel (Abraxane®) ist ein komplexes Molekül: Die Wirksubstanz, das Paclitaxel, ist mittels Albumin an Nanopartikel gebunden, die den Wirkstoff zu den Tumorzellen transportieren. Aufgrund dieses Wirkmechanismus hat Abraxane® den Vorteil, sehr spezifisch und hoch effektiv bei guter Verträglichkeit zu wirken. Abraxane® ist daher ein bevorzugter Kombinationspartner für die Immuntherapie. Diese Vorteile dürfen wir nicht aufs Spiel setzen.

Welche Gefahren sehen Sie, wenn die Krebsimmuntherapie nicht mit dem Originalpräparat Abraxane® aus den klinischen Studien kombiniert wird?

Wehler: Solange wir keine entsprechenden klinischen Studienergebnisse haben, können wir nicht gewährleisten, dass Wirksamkeit und Sicherheit der Kombination aus Immuntherapie plus Generikum genauso effektiv und sicher ist wie die Kombination mit der zytostatische Originalsubstanz. Wir beobachten im klinischen Alltag auch bei weniger komplexen Molekülen immer wieder, dass mehr Nebenwirkungen unter dem Generikum auftreten und/oder dass die Wirksamkeit schlechter ist. Dieses Risiko möchte ich und sollten wir nicht eingehen.

Ihr Fazit?

Wehler: Je komplexer ein Therapeutikum bzw. dessen Molekül aufgebaut ist, umso wichtiger ist es, kritisch zu schauen, ob das Generikum das leisten kann, was das Originalpräparat kann. Gerade bei der Kombinationstherapie aus Chemo- und Immuntherapie gibt es zahlreichen „Stellschrauben“, welche die gewünschten Interaktionen triggern. Kleinste Abweichungen könnten fatale Folgen für unsere Patienten haben. Das müssen wir als Kliniker beachten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Birgit-Kristin Pohlmann, Nordkirchen.

Quelle: journalonko.de


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