Mammakarzinom: Veränderter Behandlungsalltag bei Subgruppen

3. Juni 2019 | Kategorie: Im Focus

Die auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) 2018 vorgestellten Ergebnisse der Studien TAM-01, IMpassion130 und KATHERINE (1-3) werden den Behandlungsalltag bei bestimmten Subgruppen des Mammakarzinoms verändern, erklärte Prof. Dr. Michael Untch, Berlin. So zeigte in der KATHERINE-Studie eine Kombinationstherapie von Trastuzumab + Emtansin (T-DM1) bei Patientinnen mit HER2+ Brustkrebs im Frühstadium, die nach Abschluss der neoadjuvanten Therapie eine restinvasive Erkrankung hatten, im Vergleich zu Trastuzumab allein eine Risikoreduktion um 50% für erneutes Auftreten von invasivem Brustkrebs oder Tod (3), erläuterte Untch.

Endokrine Prävention: Tamoxifen reduziert DCIS-Rezidive

Jährlich wird deutschlandweit bei ca. 15.000 Patientinnen ein duktales Karzinom in situ (DCIS) diagnostiziert. Die Behandlung des DCIS mit 30 mg/Tag Tamoxifen ist wegen der starken Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Schweißausbrüchen oder Thrombosen immer noch umstritten, berichtete Untch.

Die Phase-III-Studie TAM-01, an der Patientinnen mit einer operierten, hormonsensitiven, intraepithelialen Brustneoplasie (n=500) teilnahmen, konnte nach einem mittleren Follow-up von 5,1 Jahren zeigen, dass eine tägliche Dosis von 5 mg Tamoxifen im Vergleich zu Placebo die Zahl der Rezidive, meist invasive Mammakarzinome, signifikant verringern kann (HR=0,48; 95%-KI: 0,25-0,89; p=0,02) (1). In einer relativ niedrigen Dosis von 5 mg/Tag ist Tamoxifen in der Lage mit eingeschränkter Toxizität die Häufigkeit von Rezidiven zu halbieren (14 unter Tamoxifen vs. 29 unter Placebo), fasste Untch zusammen.


TNBC: PD-L1 als zuverlässiger Biomarker

An der Phase-III-Studie IMpassion130 (NCT02425891) nahmen insgesamt 902 Patientinnen mit metastasiertem oder nicht resezierbarem lokal fortgeschrittenen triple-negativen Mammakarzinom (TNBC) teil (2). „Hierbei handelt es sich um Patientinnen mit einem sehr aggressiven Tumor, die mit dem Rücken zur Wand stehen“, kommentierte Untch. Er präsentierte einen Algorithmus zur Entscheidungsfindung beim TNBC (Abb. 1): „Bei TNBC-Patientinnen mit einer PD-L1-Expression ≥ 1% – dies sind allerdings nur ca. 40% aller TNBC-Fälle – konnte die Kombination aus dem Anti-PD-L1-Antikörper Atezolizumab und nab-Paclitaxel ein medianes Gesamtüberleben (OS) von 25 Monaten erzielen (2), daher ist dieses Regime für diese Subgruppe die Therapie der Wahl“, so Untch. Für TNBC-Patientinnen mit PD-L1-Expression < 1% ist nab-Paclitaxel mono die Therapie der Wahl. Hier konnten im Median 18,4 Monate OS erreicht werden (2). „Unabhängig vom PD-L1-Status hat die Kombination nab-Paclitaxel + Carboplatin in der tnAcity-Studie 16,8 Monate OS gezeigt (4). Mit nab-Paclitaxel + Bevacizumab konnten in der CALGB 40502-Studie sogar 21,0 Monate OS erzielt werden (5); mit Paclitaxel + Bevacizumab lag das OS dagegen bei 15,3 Monaten“, erläuterte Untch. Die Patientinnen erhielten in der IMpassion130-Studie in der Erstlinientherapie entweder nab-Paclitaxel + Atezolizumab oder nab-Paclitaxel + Placebo, bis eine inakzeptable Toxizität oder eine Krankheitsprogression auftrat. Zudem wurde die PD-L1-Expression der tumorinfiltrierenden Immunzellen (TILs) bestimmt. Nach einem medianen Follow-up von 12,9 Monaten konnte in der Intent-to-treat (ITT)-Population mit 7,2 Monaten (vs. 5,5 Monaten unter nab-Paclitaxel-Monotherapie) ein signifikanter Vorteil der Atezolizumab-Kombinationstherapie hinsichtlich des medianen progressionsfreien Überlebens (PFS) beobachtet werden (HR=0,8; 95%-KI: 0,69-0,92; p=0,0025). Ebenso verlängerte sich das mediane OS unter der Kombinationstherapie auf 21,3 Monate vs. 17,6 Monate unter alleiniger Chemotherapie (HR=0,84; 95%-KI: 0,69-1,02; p=0,084). Die PD-L1-Expression konnte die Wirksamkeit von Atezolizumab + nab-Paclitaxel in hohem Maße vorhersagen, erklärte Untch.

Abb. 1: Entscheidungsfindung in der Therapie der TNBC-Patientinnen (mod. nach (2, 4, 5)).


Adjuvantes T-DM1 vorteilhaft bei restinvasivem HER2+ Mammakarzinom

Die randomisierte Phase-III-Studie KATHERINE untersuchte weltweit 1.486 Patientinnen mit HER2+ Mammakarzinom im Frühstadium, die bereits eine neoadjuvante Chemo- und eine Anti-HER2-Therapie, gefolgt von einer Operation, erhalten hatten (3). Die Patientinnen erhielten 14 Zyklen lang T-DM1 oder Trastuzumab. Bei einer Interimsanalyse wurden bei 12,2% der T-DM1-Gruppe und bei 22,2% der Trastuzumab-Gruppe eine invasive Erkrankung oder der Tod festgestellt. Der geschätzte Prozentsatz der Patientinnen, die nach 3 Jahren frei von invasiven Erkrankungen waren, betrug in der T-DM1-Gruppe 88,3% und in der Trastuzumab-Gruppe 77,0%. Das invasive krankheitsfreie Überleben war unter T-DM1 signifikant höher als unter Trastuzumab (HR für invasive Erkrankung oder Tod: 0,50; 95%-KI: 0,39-0,64; p<0,001). „Ein Rezidiv als erstes Ereignis der invasiven Erkrankung trat bei 10,5% der Patientinnen in der T-DM1-Gruppe und 15,9% der Patienten in der Trastuzumab-Gruppe auf“, berichtete Untch. Dr. rer. nat. Marion Adam/ab Quelle: 44. Münchner Fachpresse-Workshop „Highlights vom SABCS 2018 und ASH 2018“, 17.01.2019, München; Veranstalter: POMME-med Literatur: (1) DeCensi A et al. SABCS 2018, Abstract GS3-01. (2) Emens LA et al. SABCS 2018, Abstract GS1-04. (3) von Minckwitz G et al. N Engl J Med 2019; 380(7):617-28. (4) Yardley DA et al. Ann Oncol 2018;29:1763-70. (5) Rugo HS et al. J Clin Oncol 2015;33(21): 2361-69.


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