mCRC: Chance auf Tumorrückbildung durch Aflibercept in der Zweitlinie

4. November 2019 | Kategorie: Pharmaindustrie

Die Zweitlinientherapie mit Aflibercept (Zaltrap®)/FOLFIRI (5-FU/Folinsäure, Irinotecan) erreicht bei etwa 20% der Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (mCRC) und Oxaliplatin-Vorbehandlung noch einmal eine deutliche Tumorrückbildung mit der Chance auf einen anhaltenden Überlebensvorteil (1, 2).

Voraussetzung für den Einsatz von Aflibercept/FOLFIRI ist, dass die Patienten mit Oxaliplatin vorbehandelt sind (3). Das antiangiogene Fusionsprotein Aflibercept wirkt unabhängig vom RAS- und BRAF-Status sowie der primären Tumorlokalisation (1, 2, 4). Bei den anti-EGFR-Antikörpern und den anti- VEGF-Antikörpern ist das anders. Vor der Erstlinientherapie mit Chemotherapie plus einem dieser Antikörper sei daher eine molekularpathologische Charakterisierung des Tumors notwendig, die wichtige prädiktive Informationen liefere, betonte Prof. Sebastian Stintzing, Charité Berlin, während
eines Sanofi Genzyme Symposiums bei der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) in Berlin.

Chance auf einen anhaltenden Überlebensvorteil nutzen

Für die Zweilinientherapie ist unabhängig vom first-line eingesetzten Antikörper die Weiterbehandlung mit Aflibercept/FOLFIRI eine wirksame Option, ergänzte Prof. Sylvie Lorenzen, Klinik für Hämatologie/Onkologie, TU München. Bereits bei der Therapieentscheidung für die Erstlinie empfiehlt sie daher, auch die weitere Therapiesequenz zu bedenken. Ist Aflibercept/FOLFIRI als Zweitlinientherapie angedacht, müssten die Patienten vorher eine Oxaliplatin-basierte Therapie erhalten haben (1, 3).

In der Phase-III-Zulassungsstudie VELOUR1 erreichte die Zweitlinientherapie mit Aflibercept/FOLFIRI eine vergleichsweise hohe objektive Remissionsrate von etwa 20% (ORR: 19,8%), was im Vergleich zum Kontrollarm (FOLFIRI/Placebo) signifikant war (p≤0,001). Im indirekten Studienvergleich mit Chemotherapie plus anti-EGFR- bzw. anti-VEGF-Antikörper sei dies die mit Abstand höchste ORR, so Lorenzen. Auch das mediane progressionsfreie Überleben mit Aflibercept/FOLFIRI (PFS: 6,9 Monate) und das mediane Gesamtüberleben (OS: 13,5 Monate) waren
in der VELOUR-Studie vergleichsweise lang und gegenüber dem Kontrollarm jeweils signifikant verlängert (p≤0,0001 PFS, bzw. p=0,0032, OS) (1). Das zeigte sich auch für mit Bevacizumab vorbehandelte Patienten. Mehr als 20% der Patienten erreichten unter Aflibercept/FOLFIRI einen anhaltenden Überlebensvorteil (1, 2, 5). Biomarkeranalysen, die anhand der VELOUR-Studiendaten an Gewebe- und Plasmaproben durchgeführt wurden, unterstrichen die breite Wirksamkeit von Aflibercept unabhängig vom RAS- und BRAF-Mutationsstatus sowie der Tumorlokalisation (6), so Lorenzen.

Daten aus klinischem Alltag untermauern Stabilisierung der Lebensqualität in der Zweitlinie

Die hohe Wirksamkeit der Aflibercept-Kombination führt Lorenzen auf den Wirkmechanismus zurück, da Aflibercept als Fusionsprotein nicht nur an den endothelialen Wachstumsfaktor VEGF-A bindet, sondern auch an VEGF-B und den Plazenta-Wachstumsfaktor (PlGF). Alle 3 Wachstumsfaktoren zirkulieren im Blut und unterstützen die Proliferation des Tumors. Aflibercept könnte deren tumortreibenden Effekten entgegenwirken (7, 8).
Daten aus dem klinischen Alltag untermauern die Wirksamkeitsdaten bei guter Verträglichkeit, erläuterte Lorenzen. Das zeige zum einen eine spanische Beobachtungsstudie bei Patienten mit RAS-Wildtyp, die first-line eine anti-EGFR-basierte Therapie erhalten hatten und unter Aflibercept/FOLFIRI median 6,9 Monate ohne Progression blieben und mit 14,5 Monate median sogar etwas länger überlebten als die Patienten in der VELOUR-Studie (9). Zudem verwies sie auf die Interimsanalyse der nicht-interventionellen QoLiTrap-Studie (4), die in Deutschland, Österreich und der
Schweiz bis Ende 2019 1.500 Patienten rekrutieren will. In der 2019 durchgeführten Interimsanalyse zeigt sich: Die gesundheitsbezogene Lebensqualität ist unter Aflibercept/FOLFIRI erhalten geblieben bei einer Tumorkontrollrate (ORR + SD) von 72,4% – unabhängig davon, mit welchem Antikörper die Patienten vorbehandelt waren.

Fazit für den klinischen Alltag

Aflibercept/FOLFIRI ist eine wirksame und verträgliche Zweitlinientherapie für mit Oxaliplatin vorbehandelte Patienten – unabhängig vom RAS- bzw. BRAF-Status sowie der primären Tumorlokalisation.

Literatur:

(1) van Cutsem E et al., JCO 2012, 30: 3499-3506.
(2) Tabernero J et al., EJC 2014, 50(2): 320-331.
(3) Fachinformation Zaltrap®: aktueller Stand.
(4) Hofheinz R et al., WCGIC 2019, Ann Oncol 2019, 30 (suppl 4): PD-026.
(5) Ruff P et al., EJC 2015, 51 (1): 18-26.
(6) Wirapati P et al., JCO ASCO 2017, 35 (suppl): 3538a
(7) Podar K, Anderson KC. Blood 2005, 105: 1383-85.
(8) Holash J et al., Proc. Ntl. Acad. Sci.USA 2002, 99 (17): 11393-11398.
(9) Velasco M et al., ESMO 2018, Ann. Oncol. 2018, 29 (8): 478P.

Quelle: Sanofi


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