mTNBC: Reduktion des Progressionsrisikos unter Atezolizumab in Kombination mit nab-Paclitaxel

6. Mai 2019 | Kategorie: Im Focus

Die Krebsimmuntherapie erweitert das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten bei vielen Tumorentitäten entscheidend. Die Studie IMpassion130 belegt nun auch das hohe Potenzial des Therapieansatzes beim fortgeschrittenen triple-negativen Mammakarzinom (mTNBC): So reduzierte der PD-L1-Inhibitor Atezolizumab (Tecentriq®) in Kombination mit nab-Paclitaxel das Progressionsrisiko bei positivem PD-L1-Status auf tumorinfiltrierenden Immunzellen (IC) signifikant um 38%. Zudem zeichnet sich bei diesen Patienten ein starker Trend für ein verlängertes Gesamtüberleben (OS) ab (1). Seit der Einführung der Kombinationstherapien mit Bevacizumab (Avastin®) sind dies die ersten positiven Phase-III-Daten beim mTNBC.

Im Rahmen eines Symposiums der Roche Pharma AG auf dem erstmalig stattfindenden Breast-Cancer-Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Berlin diskutierten renommierte Experten die Bedeutung von Atezolizumab als zukünftige Behandlungsoption beim mTNBC und den Stellenwert der PD-L1 IC-Testung.

Schlechte Prognose für TNBC

Das TNBC gilt insbesondere im metastasierten oder lokal fortgeschrittenen Stadium als aggressive Tumorform und ist bis heute nur schwer zu kontrollieren. Das Krankheitsgeschehen ist insgesamt mit einer schlechten Prognose assoziiert: Das mediane Gesamtüberleben beträgt bei einer Metastasierung etwa 13,3 Monate (2). Da keine endokrinen oder HER2-gerichteten Therapien beim mTNBC in Betracht kommen, ist für die Behandlung dieser Patienten eine Taxan-basierte Chemotherapie Standard. In der First-line-Situation besteht zudem die Möglichkeit, die Chemotherapie mit Bevacizumab zu kombinieren.

Krebsimmuntherapie

Die Daten der Studie IMpassion130 kündigen nun einen bedeutenden Therapiefortschritt für die First-line-Therapie des mTNBC an. Zentrales Resultat der doppelblinden, Placebo-kontrollierten, randomisierten Phase-III-Studie: Die Hinzunahme des PD-L1-Inhibitors zur Chemotherapie reduzierte das Risiko für eine Progression um 38% bei positivem PD-L1-Status auf IC (7,46 vs. 4,96 Monate Placebo/nab-Paclitaxel; HR: 0,62; 95%-KI: 0,49-0,78; p < 0,0001) (1). „Zudem sehen wir für diese Patienten einen starken Trend für ein verlängertes Gesamtüberleben“, ergänzte Prof. Dr. Tjoung-Won Park-Simon, Hannover. Aufgrund dieser überzeugenden Daten bewertet die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) den First-line-Einsatz von Atezolizumab mit nab-Paclitaxel bei Patienten mit positivem PD-L1-Status auf IC bereits vor Zulassung mit einem „Plus“ (3). Nebenwirkungsprofil

Wie Park-Simon berichtete, erwies sich die Kombination Atezolizumab mit Chemotherapie als sicher und gut verträglich. Die beobachteten unerwünschten Ereignisse (Grad 3-4) seien konsistent mit den bereits bekannten Sicherheitsprofilen der Monopräparate. „Wir werden uns allerdings auf ein neues und anderes Nebenwirkungsprofil einstellen müssen, als wir es von der Chemotherapie gewohnt sind. Dieses unterscheidet sich insbesondere in Variabilität und Zeitpunkt des Auftretens“, erläuterte die Gynäkoonkologin. „Bei der Chemotherapie waren wir es gewohnt, dass die Nebenwirkungen am Anfang auftraten, nun können sie während der gesamten Behandlung und auch danach in Erscheinung treten.“ Zudem sei die Art der immunbedingten Nebenwirkungen vielfältiger: Jedes neue Symptom sollte, so Park-Simon, kritisch als eine Nebenwirkung in Betracht gezogen werden. „Aus der Erfahrung mit der Krebsimmuntherapie in anderen Indikationen wissen wir aber auch: Frühzeitig erkannt, sind die Nebenwirkungen der Krebsimmuntherapie gut behandelbar.“

PD-L1 IC-Testung

Als besonders wirksam erwies sich der Kombinationsansatz aus Atezolizumab und Chemotherapie bei einer PD-L1-Expression von ≥ 1% auf IC. Das sind ungefähr 40% aller Patienten mit mTNBC. Um diese Patienten in der klinischen Praxis zu identifizieren, wird die PD-L1-Testung auf IC zukünftig eine wichtige Rolle spielen.

Literatur:

(1) Schmidt P et al., ESMO 2018; Presentation number LBA1_PR.
(2) Kassam F et al., Clin Breast Cancer 2009; 9(1): 29-33.
(3) AGO Kommission Mamma; Diagnostik und Therapie von Patientinnen mit primärem und metastasiertem Brustkrebs; Empfehlungen 2019; www.ago-online.de

Quelle: Roche


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