Neuer Ansatz zur Behandlung von bis dato unheilbaren Hirntumoren

8. Oktober 2018 | Kategorie: Wissenschaft

Glioblastome (GBM) repräsentieren die häufigste bösartige Hirntumorart bei Erwachsenen. Für diese immer tödlich endende Krebserkrankung haben Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz nun eine neuartige Behandlungsoption identifiziert: eine kombinatorische Therapie, die sich zusammensetzt aus den beiden Antikörpern Anti-EGFL7 und Anti-VEGF, die die Angiogenese hemmen, und dem Chemotherapeutikum Temozolomid. Diese Kombination birgt das Potenzial, das Wachstum von Glioblastomen zu stoppen. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift EMBO Molecular Medicine veröffentlicht (1).

Das GBM ist ein aggressiv wachsender Hirntumor. Es entwickelt sich aus dem Stützgewebe des Gehirns, den Gliazellen. Diese teilen sich rasch, wodurch der Tumor schnell wachsen kann. Zudem erfolgt eine starke Infiltration des umliegenden Gewebes. Die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten für GBM umfassen chirurgische Entfernung gefolgt von Strahlen- und Chemotherapie. Da jedoch auch nach erfolgreicher Therapie i.d.R. innerhalb eines Jahres Rezidive auftreten, sterben die Betroffenen im Durchschnitt innerhalb von 15 Monaten nach der Erstdiagnose. Von der Erkrankung sind überdurchschnittlich viele junge Patienten betroffen, die meisten Glioblastomerkrankten sind zwischen 45 und 70 Jahre alt. Der Anteil der Männer ist etwa doppelt so hoch wie der Frauenanteil.

Bisherige Studien zielten darauf ab, einen Weg zu finden, die Neubildung von Blutgefäßen in GBMs zu hemmen und somit die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung dieser Tumore zu kappen. Einen signifikanten Einfluss auf das Überleben der Patienten hatten diese Studien bislang allerdings leider nicht.

Die Mainzer Wissenschaftler um Prof. Dr. Mirko HH Schmidt vom Institut für Mikroskopische Anatomie und Neurobiologie der Universitätsmedizin Mainz wählten daher einen neuen Forschungsansatz: Sie ergänzten existierende Therapien zur Bekämpfung von bösartigen Hirntumoren um die Hemmung des wenig erforschten, proangiogenen Faktors EGFL7. Dieser hat in jüngster Zeit seine Relevanz für neurologische Krankheiten wie Schlaganfall oder Multiple Sklerose unter Beweis gestellt. Es gelang, die Wirksamkeit konventioneller Therapien erheblich zu steigern.

Wie die Mainzer Forscher nun herausfanden, führt EGFL7 in Hirntumoren zur Bildung neuer und ausgereifterer Blutgefäße, was wiederum zu einem effektiveren Wachstum von Hirntumoren beiträgt. Die Hemmung von EGFL7 durch spezifische Antikörper kehrte diesen Prozess in experimentellen Hirntumormodellen um. Dadurch erhöhte sich die Überlebensdauer. Diese Forschungsergebnisse erzielte das Team um Schmidt auch im Rahmen des Sonderforschungsbereiches 1292 „Gezielte Beeinflussung von konvergierenden Mechanismen ineffizienter Immunität bei Tumorerkrankungen und chronischen Infektionen“ und des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK). Nach Einschätzung der Wissenschaftler könnten ihre Erkenntnisse eine wichtige Grundlage für die Entwicklung einer neuartigen Behandlungsoption für Patienten mit malignem Gliom bilden. „Eine erweiterte Kombinationstherapie könnte der Diagnose ‚unheilbarer Hirntumor‘ einen Teil ihres Schreckens nehmen“, so Schmidt.

Literatur:
(1) Stanković ND, Bicker F, Keller S et al.
EGFL7 enhances surface expression of integrin α5β1 to promote angiogenesis in malignant brain tumors.
EMBO Molecular Medicine 2018;e8420; doi:10.15252/emmm.201708420

Quelle: Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz


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