NSCLC: Hochrisikopatienten mit Lebermetastasen profitieren von Atezolizumab + Bevacizumab + Chemotherapie

29. Juli 2020 | Kategorie: Im Focus

 

Haematologie-info  

Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) konnte mit der Krebsimmuntherapie Atezolizumab (Tecentriq®) in Kombination mit Bevacizumab (Avastin®) und Chemotherapie (Carboplatin plus Paclitaxel) auf Basis der Phase-III-Studie IMpower150 eine therapeutische Lücke geschlossen werden (1). Insbesondere Hochrisikopatienten mit Lebermetastasen und Patienten mit EGFR (Epidermal Growth Factor Receptor)-Mutation nach Versagen einer zielgerichteten Therapie, die neuer, effektiver Folgetherapien bedürfen, profitieren von dem Kombinationsansatz (1). Aktuelle Daten einer auf dem diesjährigen ASCO vorgestellten explorativen Analyse der IMpower150-Studie zeigen nun, dass eine erweiterte Hochrisikogruppe profitieren kann: Bei NSCLC-Patienten mit hoher Tumorlast bestätigen die Daten einen klinisch relevanten Vorteil bezüglich des Gesamtüberlebens (OS) sowie der prüfärztlich beurteilten Ansprechrate (ORR) (2).

Die explorative Analyse der internationalen, multizentrischen, randomisierten Open-Label-Phase-III-Studie IMpower150 untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von Atezolizumab in Kombination mit dem bekannten Sandler-Regime aus Avastin und Chemotherapie bei NSCLC-Patienten mit hoher Tumorlast. Diese Patientengruppe kennzeichnet sich durch eine vergleichsweise schlechte Überlebensrate. Die Bestimmung der Tumorlast erfolgte in der Analyse entweder unter Verwendung der Summe des längsten Durchmessers der Zielläsionen (SLD) ≥ des 3. Quartils (108 mm) oder der medianen Anzahl metastasierter Organe. Untersucht wurden u.a. das OS sowie die ORR in diesen Untergruppen (2).

Betroffene mit hoher Tumorlast profitieren von Atezolizumab

Nach einem Follow-up von mindestens 32,4 Monaten zeigte die explorative Analyse, dass unter der Kombinationstherapie mit Atezolizumab vs. der alleinigen Behandlung mit Avastin plus Chemotherapie Patienten mit SLD ≥ 3. Quartil (n=176) ein höheres medianes OS erreichten (mOS: 15,5 Monate vs. 10,7 Monate; HR=0,7; 95%-KI: 0,5-0,97). Auch Patienten mit einer Anzahl metastasierter Organe ≥ 2 (n=400) profitierten von der Kombinationstherapie (mOS: 17,6 Monate vs. 12,5 Monate; HR=0,72; 95%-KI: 0,58-0,90). Die ORR war bei Patienten mit SLD ≥ 3. Quartil von 41% auf 62% verbessert, während Patienten mit metastasierten Organen ≥ 2 eine ORR von 57% (vs. 40% im Kontrollarm) aufwiesen (2). Damit profitierten Patienten mit hoher Tumorlast von der Behandlung mit Atezolizumab , unabhängig davon, welche Methode zur Bestimmung der Tumorlast – SLD oder die Anzahl der metastasierten Organe – angewendet wurde.

Individuelle Behandlungsoptionen

Zielgerichtete Therapien und Krebsimmuntherapien wie Atezolizumab haben sich in der Behandlung des Lungenkarzinoms als wirksame Therapie etabliert. Die verschiedenen Therapieoptionen von Atezolizumab in der First-Line beim fortgeschrittenen NSCLC mit nicht-plattenepithelialer Histologie ermöglichen heute schon eine patientenindividuellere Behandlung. So profitieren NSCLC-Patienten mit Lebermetastasen bzw. EGFR-Mutation nach Versagen einer zielgerichteten Therapie besonders von Atezolizumab in Kombination mit Avastin plus Chemotherapie (1). Atezolizumab in Kombination mit einer platinbasierten Chemotherapie (Carboplatin/nab-Paclitaxel) hingegen verschafft im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie NSCLC-Patienten ohne EGFR-Mutation oder ALK-Alteration einen signifikanten OS-Vorteil (3).
Atezolizumab ist darüber hinaus zur First-Line-Behandlung von Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom im fortgeschrittenem Stadium („extensive stage“, ES-SCLC) in Kombination mit Carboplatin und Etoposid zugelassen (4, 5).

Literatur:

(1) Reck M et al., Lancet Respir Med 2019; 7(5): 387-401
(2) Jotte R et al., J Clin Oncol 2020; 38 (Suppl. Abstract e21637)
(3) West H et al., Lancet Oncol 2019; 20(7): 924-937
(4) Reck M et al., Oncol Res Treat 2020, 43 (Suppl 1):233, #886
(5) Fachinformation Tecentriq®, aktueller Stand

Quelle: Roche


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