NSCLC: Monotherapie mit Cemiplimab verbessert OS

13. Oktober 2020 | Kategorie: Pharmaindustrie

 

Haematologie-info  

Auf der diesjährigen virtuellen Jahrestagung der European Society for Medical Oncology (ESMO) wurden positive Ergebnisse einer Zulassungsstudie zur experimentellen Anwendung des PD-1-Inhibitors Cemiplimab als Erstlinientherapie beim lokal fortgeschrittenen oder metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC, Non-Small Cell Lung Cancer) präsentiert.

In der Studie wurde bei Patienten, deren Tumorzellen den Marker PD-L1 exprimierten, darunter Patienten mit einer PD-L1-Expression von ≥50 Prozent, eine Monotherapie mit Cemiplimab mit einer platinbasierten Chemotherapie-Doublette verglichen. Die Ergebnisse der Studie bilden die Grundlage für Zulassungsanträge unter anderem in den USA und der Europäischen Union.

„In neuen, auf der ESMO-Jahrestagung präsentierten Analysen reduzierte Cemiplimab das Sterblichkeitsrisiko bei Patienten, deren Tumoren eine bestätigte PD-L1-Expression von >50% oder mehr aufwiesen, um 43%. Dies ist bemerkenswert, da fast drei Viertel der Patienten nach Tumorprogression von der Chemotherapie auf Cemiplimab gewechselt hatten, und 12% der Patienten vorbehandelte und stabile Metastasen im Gehirn aufwiesen“, so Dr. Ahmet Sezer, M.D., Associate Professor in der Abteilung für internistische Onkologie an der Başkent-Universität in Adana, Türkei, einer der Prüfärzte der Studie. „Diese Ergebnisse unterstützen die Anwendung von Cemiplimab als mögliche neue gegen PD-1 gerichtete Monotherapie im Rahmen der Erstlinientherapie beim fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom.“

Die hochaktuelle Präsentation auf der ESMO-Jahrestagung ergänzt die im April veröffentlichten Gesamtergebnisse. In der Gesamtpopulation der Studie (n=710) betrug die mediane Beobachtungsdauer unter beiden Behandlungen 13 Monate (Cemiplimab: n=356; Spannweite: <1–32 Monate/Chemotherapie: n=354; Spannweite: <1–32 Monate). In dieser Gesamtpopulation erzielte Cemiplimab im Vergleich zur Chemotherapie die folgenden Ergebnisse:

  • Reduktion des Sterblichkeitsrisikos um 32% (HR=0,68; 95%-KI: 0,53–0,87; p=0,0022).
  • Medianes Gesamtüberleben (OS) von 22 Monaten (95%-KI: 18 Monate bis noch nicht auswertbar) gegenüber 14 Monaten (95%-KI: 12–19 Monate).
  • Reduktion des Risikos für Tumorprogression um 41% (HR=0,59; 95%-KI: 0,49–0,72; p<0,0001). Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) betrug 6,2 Monate (95%-KI: 4,5-8,3 Monate) gegenüber 5,6 Monaten (95%-KI: 4,5-6,1 Monate).
  • Objektive Ansprechrate (ORR, Objective Response Rate) von 37% (95%-KI: 32–42%; Rate vollständiger Remissionen (CR) 3% und Rate partieller Remissionen (PR) 33%) gegenüber einer ORR von 215 (95%-KI: 17–25%; CR-Rate von 1% und PR-Rate von 20%).

Darüber hinaus erfolgte eine präspezifizierte Analyse der Daten von Patienten, deren Tumoren eine bestätigte PD-L1-Expression von ≥50% aufwiesen (n=563). In dieser Gruppe betrug die mediane Beobachtungsdauer unter beiden Behandlungen 11 Monate (Cemiplimab: n=283; Spannweite: <1–32 Monate/Chemotherapie: n=280; Spannweite: <1–30 Monate), und Cemiplimab erzielte im Vergleich zur Chemotherapie die folgenden Ergebnisse:

  • Reduktion des Sterblichkeitsrisiko um 43% (HR=0,57; 95%-KI: 0,42–0,77; p=0,0002).
  • Das mediane OS war noch nicht erreicht (95%-KI: 18 Monate bis noch nicht auswertbar) gegenüber 14 Monaten (95%-KI: 11–18 Monate).

  • Reduktion des Risikos für Tumorprogression um 46% (HR=0,54; 95%-KI: 0,43–0,68; p<0,0001). Das mediane PFS betrug 8 Monate (95%-KI: 6–9 Monate) gegenüber 6 Monaten (95%-KI: 5–6 Monate).
  • ORR von 39% (95%-KI: 34–45%; CR-Rate von 2% und PR-Rate von 37%) gegenüber ORR von 20% (95%-KI: 16–26%; CR-Rate von 1% und PR-Rate von 19%).

In der Studie wurde außerdem bei den mit Cemiplimab behandelten Patienten eine direkte Korrelation zwischen dem Ansprechen des Tumors und dem Ausmaß der PD-L1-Expression beobachtet. Die ORR war bei Tumoren mit PD-L1-Expression ≥90% am höchsten (46%; Spannweite: 36–56%) und bei diesen Patienten hatten sich die Zieltumoren nach 6-monatiger Behandlung durchschnittlich um mehr als 40% verkleinert (mittels Last Observation Carried Forward berechnet). Eine solche Korrelation mit dem Ausmaß der PD-L1-Expression wurde unter der Chemotherapie nicht beobachtet.

In der Gesamtpopulation der Studie betrug die mediane Behandlungsdauer mit Cemiplimab 27 Wochen (Spannweite: <1–115 Wochen) und mit der Chemotherapie 18 Wochen (Spannweite: <1–87 Wochen). Unerwünschte Ereignisse (UE) traten insgesamt bei 88% der mit Cemiplimab und bei 94% der mittels Chemotherapie behandelten Patienten auf, und UE vom Grad 3 oder höher bei 37% der mit Cemiplimab und bei 49% der mittels Chemotherapie behandelten Patienten. Bei 17% der mit Cemiplimab behandelten Patienten wurden immunvermittelte UE beschrieben. Diese bestanden in Hypothyreose (6%), Hyperthyreose (4%), Pneumonitis (2%), Hepatitis (2%), Nebenwirkungen im Bereich der Haut (2%), Arthritis, erhöhtem Thyreotropin im Blut, Thyroiditis, Kolitis, Nephritis und peripherer Neuropathie (jeweils 1%. Behandlungsabbrüche aufgrund eines UE waren bei 6% der mit Cemiplimab und bei 4% der mittels Chemotherapie behandelten Patienten zu verzeichnen. Es wurden keine neuen Sicherheitssignale für Cemiplimab beobachtet. Die Anwendung von Cemiplimab zur Behandlung des fortgeschrittenen NSCLC befindet sich derzeit in der klinischen Entwicklung und wurde noch von keiner Aufsichtsbehörde umfassend beurteilt. Quelle: Sanofi


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