NSCLC: Neue Daten zu Amivantamab

3. November 2020 | Kategorie: Im Focus

 

Haematologie-info  

Auf dem diesjährigen Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) wurden neue Daten zu Amivantamab, dem EGFR- und MET-gerichteten, bispezifischen Antikörper, in der Therapie des fortgeschrittenen oder metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) mit Exon-19-Deletions- oder L858R-Substitutions-Mutationen im Gen für den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR) präsentiert (1).

Gesamtansprechen bei therapienaiven und vorbehandelten Patienten

Amivantamab erzielte in Kombination mit Lazertinib, einem EGFR-Tyrosinkinaseinhibitor (TKI) der dritten Generation, in der aus 2 Teilen bestehenden Phase-I-Studie CHRYSALIS (NCT02609776) bei 20 therapienaiven Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC und EGFR-Exon-19-Deletions- oder L858R-Mutation eine Gesamtansprechrate (ORR, gemessen anhand der RECIST-Kriterien (v.1.1)) von 100% (95%-KI: 83-100). Zum Zeitpunkt des Datenschnitts betrug das mediane Follow-up bzw. die mediane Therapiedauer 7 Monate (Range 4-10 bzw. 3-10 Monate) (1).
Bei weiteren 45 Patienten, die Chemotherapie-naiv waren und unter Osimertinib einen Progress erlitten hatten, wurde eine ORR von 36% (95%-KI: 22-51) beobachtet: Ein Patient erzielte eine Komplettremission und 15 Patienten zeigten ein partielles Ansprechen. Die klinische Nutzenrate (clinical benefit rate (CBR)) lag bei 60% (95%-KI: 44-74) (1).
In der offenen, multizentrischen, internationalen Studie CHRYSALIS wurde Amivantamab intravenös in einer Dosis von 1050 mg alle 2 Wochen ab Zyklus 2 (1400 mg ≥80 kg) und Lazertinib oral in einer Dosis von 240 mg täglich verabreicht (1).

Verträglichkeit der Kombinationstherapie

Bei den meisten der 91 Patienten, die an den Dosis-Eskalations- und Expansions-Phasen der Studie teilgenommen hatten, waren die therapieassoziierten Nebenwirkungen mild ausgeprägt (Grad 1-2) (1). Infusionsbedingte Reaktionen traten vornehmlich nach der ersten Infusion auf und beeinflussten die nachfolgende Dosierung nicht. Grad ≥3-Nebenwirkungen waren selten und umfassten Hautausschläge (Rash, 4%), Hypoalbuminämie (2%), erhöhte Werte der Gamma-Glutamyltransferase (1%), Hyponatriämie (1%), Paronychie (1%) und interstitielle Lungenerkrankung (1%). Bei 6% der Patienten wurde die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen abgebrochen (1).
Auf Basis der positiven Ergebnisse der Studie CHRYSALIS wird Amivantamab plus Lazertinib künftig in weiteren Studien beim fortgeschrittenen oder metastasierten, EGFR-mutierten NSCLC untersucht. Die Phase-III-Studie MARIPOSA (NCT04487080) vergleicht die Kombination bei nicht vorbehandelten Patienten mit Osimertinib und eine Phase-Ib-Studie (NCT04077463) überprüft ihre Wirksamkeit bei Patienten mit Progress nach einer Chemo- und einer Osimertinib-Therapie (2, 3).

NSCLC mit EGFR-Exon-19-Deletions- oder L858R-Mutationen

Bei der Therapie des fortgeschrittenen NSCLC mit aktivierenden EGFR-Mutationen spielen TKIs eine zentrale Rolle (4, 5). Exon-19-Deletionen sind die häufigsten und L858R-Mutationen die zweithäufigsten aktivierenden EGFR-Mutationen – sie machen zusammen 85% der EGFR-Mutationen aus (4, 5). In der CHRYSALIS-Studie wurde bei Vorliegen von diesen Mutationen die Kombination aus Amivantamab und Lazertinib untersucht, weil es aus präklinischen Studien Hinweise auf mögliche synergistische Effekte des EGFR-MET-bispezifischen Antikörpers und des TKIs gegeben hat (1).

Amivantamab beim NSCLC mit EGFR-Ex20ins-Mutationen

Amivantamab wird im Rahmen der CHRYSALIS-Studie zudem als Monotherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC und EGFR-Exon-20-Insertions (Ex20ins)-Mutationen erforscht, deren Erkrankung unter einer Platin-haltigen Chemotherapie progredient geworden ist oder die für eine solche Therapie ungeeignet sind (6). Basierend auf den entsprechenden Daten hat die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) dem Wirkstoff für diese Indikation eine so genannte Breakthrough Therapy Designation verliehen (6).

Amivantamab und Lazertinib sind in der EU bislang nicht zur Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom zugelassen.

Literatur:

(1) Chul Cho B, et al. Amivantamab (JNJ-61186372), an EGFR-MET bispecific antibody, in combination with lazertinib, a 3rd-generation EGFR tyrosine kinase inhibitor, in advanced EGFR-mutant NSCLC. Ann Oncol. 2020, 31(suppl_4; abstr 1258O & Oral Presentation). European Society for Medical Oncology (ESMO) 2020 Annual Conference. Abrufbar unter: https://oncologypro.esmo.org/meeting-resources/esmo-virtual-congress-2020/amivantamab-jnj-61186372-an-egfr-met-bispecific-antibody-in-combination-with-lazertinib-a-3rd-generation-tyrosine-kinase-inhibitor-tki-in-a. Letzter Zugriff: 21.09.2020.
(2) Clinicaltrials.gov. A Study of Amivantamab and Lazertinib Combination Therapy Versus Osimertinib in Locally Advanced or Metastatic Non-Small Cell Lung Cancer (MARIPOSA). Abrufbar unter: https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04487080?term=JNJ-61186372&draw=2&rank=3. Letzter Zugriff: 21.09.2020.
(3) Clinicaltrials.gov. A Study of Lazertinib as Monotherapy or in Combination With JNJ-61186372 in Participants With Advanced Non-small Cell Lung Cancer. Abrufbar unter: https://www.clinicaltrials.gov/ct2/show/record/NCT04077463?view=record. Letzter Zugriff: 21.09.2020.
(4) Hong W, et al. Prognostic value of EGFR 19-del and 21-L858R mutations in patients with non-small cell lung cancer. Oncol Lett. 2019, 18(4): 3887-95.
(5) Onkopedia-Leitlinie nichtkleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC). DGHO. Stand: Oktober 2019. Abrufbar unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-nicht-kleinzellig-nsclc/@@guideline/html/index.html. Letzter Zugriff: 21.09.2020.
(6) Park K, et al. Amivantamab (JNJ-61186372), an anti-EGFR-MET bispecific antibody, in patients with EGFR exon 20 insertion (exon20ins)-mutated non-small cell lung cancer (NSCLC). J Clin Oncol. 2020, 38(no. 15_suppl; abstr 9512 & Poster Discussion Session). ASCO Annual Meeting 2020. Abrufbar unter: https://meetinglibrary.asco.org/record/184802/abstract. Letzter Zugriff: 21.09.2020.

Quelle: Janssen


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