Oktober ist Brustkrebsmonat

6. Oktober 2020 | Kategorie: Highlight

 

Haematologie-info  

Praxisverändernde Studie zur Brustkrebsnachsorge

Brustkrebs ist häufig und gefürchtet. Neue Therapien haben die Überlebenschancen erheblich verbessert. Nun rückt das Optimierungspotential der Nachsorge in den Fokus. Forschung im Rahmen der Dekade soll eine verlässliche Datenbasis dazu schaffen.

Etwa 69.000 Frauen erhalten jährlich die Diagnose Brustkrebs. Damit ist das so genannte Mammakarzinom immer noch die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Auch Männer können, wenn auch nicht so häufig, an Brustkrebs erkranken. Glücklicherweise hat sich die Chance, Brustkrebs zu überleben, durch die enormen Fortschritte der Diagnostik und Therapie (z.B. individualisierte Behandlungsansätze) in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert.

Mehr Frauen überleben, sind jedoch lange belastet
Es gibt heute eine zunehmende Zahl von Brustkrebs-Langzeitüberlebenden. Doch die Betroffenen belastet noch lange die Angst vor einem Rückfall, zu dem es bei dieser Krebsart auch nach 10 oder 20 Jahren noch kommen kann. Besonders gefürchtet, da ungünstig für die Prognose, sind Fernmetastasen.

Im Anschluss an die Brustkrebsbehandlung sieht die Nachsorge bislang keine intensivierte apparative und labortechnische Diagnostik (wie Liquid Biopsy) vor, um Metastasen möglichst früh zu entdecken.

Keine vorsorgliche Suche nach Metastasen
Erst wenn die Patientin oder der Patient über Beschwerden klagt, die auf Metastasierung hindeuten (beispielsweise zunehmende Rückenschmerzen), veranlassen die Ärztin oder der Arzt weitere diagnostische Maßnahmen wie ein CT. Erst dann werden möglicherweise für die Beschwerden verantwortliche Knochenmetastasen entdeckt und dann leitliniengetreu behandelt. Besonders Risikopatientinnen und -patienten sowie deren Angehörige sind durch das reine Abwarten stark belastet und fühlen sich in dieser Situation zum Teil nicht ideal betreut.

Das aktuelle Vorgehen ist auf Grundlage der Ergebnisse von groß angelegten Studien aus den 1980er Jahren sinnvoll: Betroffene hatten hier keinen Überlebensvorteil, wenn ihre Metastasierung früh entdeckt wurde. Dafür zeigte sich, dass ihre Lebensqualität klar schlechter war, wenn sie frühzeitig um ihren (häufig nicht mehr heilbaren) Rückfall wussten.

Vorgehen in der Nachsorge basiert nicht auf aktuellen Daten
Der Vorteil eines vorzeitigen Entdeckens von Metastasten könnte inzwischen deutlich größer sein. Denn heutige Therapien bieten inzwischen sehr viel bessere und vor allem individualisierte und zielgerichtete Behandlungsmöglichkeiten. Neuere Studien bestätigen zudem, dass die Überlebenschance bei metastasiertem Brustkrebs davon abhängt, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Also: Je früher die Behandlung einsetzt, umso größer ist die Chance auf Heilung. Auch bei nicht mehr heilbaren Fällen könnte die rasche Behandlung Betroffene vor schweren Einschränkungen bewahren und somit ihre Lebensqualität in der ihnen verbleibenden Zeit erhöhen.

Doch es braucht eine valide und vor allem aktuelle Datenbasis, um diese Annahme auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen. Hier setzt das Forschungsvorhaben SURVIVE an, eine praxisverändernde klinische Studie im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs. Die Studie richtet sich an Brustkrebserkrankte im Frühstadium (also ohne Metastasen), die ihre Primärtherapie (zumeist bestehend aus Operation und Chemotherapie) abgeschlossen und ein mittleres bis hohes Rückfallrisiko haben. Von den Teilnehmenden erhält die eine Gruppe eine intensivierte Nachsorge. Die andere Gruppe erhält die oben beschriebene Standardnachsorge.

Molekulare Fernmetastasen-Diagnostik
Die intensivierte Nachsorge besteht aus der gezielten Suche von Tumormarkern oder Tumorfragmenten im Blut (Liquid Biopsy, s. WEITERE INFORMATIONEN am Textende), die Hinweise auf Metastasen oder einen Rückfall (Rezidiv) geben könnten. Wird hier ein bestimmter Wert überschritten („Cut off“-Wert), wird die Patientin mittels Bildgebung eingehender untersucht. Bei Entdeckung einer Metastasierung oder eines Rezidivs setzt die leitliniengetreue Therapie ein.

Bei welcher Art von Markern die Studie ansetzt, steht noch nicht abschließend fest. Zur Diskussion stehen verschiedene Ansatzpunkte von konventionellen brustkrebsspezifischen Tumormarkern bis hin zu zirkulierenden Tumorzellen oder zirkulierender Tumor-DNA.

Am Studienende wird ausgewertet, welche Gruppe ein höheres Gesamtüberleben aufweist. Auch die Lebensqualität der Frauen wird verglichen. Die Ergebnisse könnten zu einem Paradigmenwechsel in der Brustkrebsnachsorge führen und die gängige Praxis verbessern.

Quelle: BMBF – Nationale Dekade gegen Krebs


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