Prostatakrebs: Welche Vor- oder Nachteile hat Cabazitaxel (Jevtana)?

2. Dezember 2013 | Kategorie: Substanzen

Cabazitaxel (Handelsname Jevtana) ist seit März 2011 für Männer mit metastasiertem Prostatakrebs zugelassen, bei denen eine übliche Hormonblockade nicht mehr wirkt und die bereits mit dem Wirkstoff Docetaxel behandelt sind.

Bei metastasiertem Prostatakrebs haben sich bereits Absiedelungen gebildet, sodass eine Heilung nicht mehr möglich ist. Dann kommt eine Blockade der Testosteronproduktion in den Hoden infrage, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Wenn der Krebs auch durch diese Hormonblockade nicht mehr beeinflusst werden kann, sprechen Fachleute von einem metastasierten „hormonrefraktären“ oder auch „kastrationsresistenten“ Prostatakarzinom. Diesen Männern wird in der Regel eine Behandlung mit dem Medikament Docetaxel angeboten. Nach einer solchen Therapie mit Docetaxel, beispielsweise wenn der Krebs auf Docetaxel nicht anspricht oder während oder nach einer Therapie mit Docetaxel weiter voranschreitet, ist eine Therapie mit Cabazitaxel möglich. Cabazitaxel zielt wie Docetaxel darauf, das Wachstum von Krebszellen zu hemmen.

Wie wird Cabazitaxel angewendet?

  • Cabazitaxel wird als Infusionslösung alle drei Wochen injiziert. Die Infusion dauert etwa eine Stunde.
  • Das Medikament wird zusammen mit den entzündungshemmenden Mitteln Prednison oder Prednisolon angewendet. Prednison oder Prednisolon werden während der gesamten Behandlungsdauer täglich als Tablette eingenommen.
  • Vor der Infusion mit Cabazitaxel werden weitere Arzneimittel eingesetzt, um Nebenwirkungen vorzubeugen.

Womit wurde Cabazitaxel verglichen?

Cabazitaxel kann in zwei verschiedenen Situationen verwendet werden. Bei manchen Männern kommt nach einer ersten Docetaxel-Behandlung auch eine weitere infrage. Hier kann Cabazitaxel als Alternative zu Docetaxel eingesetzt werden. Um Vor- und Nachteile beurteilen zu können, müsste hier Cabazitaxel mit Docetaxel verglichen werden. Für diesen Vergleich lagen Ende 2011 jedoch keine ausreichenden Daten vor. Es ist deshalb unklar, welche Vor- oder Nachteile Cabazitaxel gegenüber Docetaxel hat.

Zum anderen kann Cabazitaxel auch verwendet werden, wenn Docetaxel nicht mehr infrage kommt, weil es nicht mehr wirkt oder nicht vertragen wird. Für diese Männer stand bisher eine unterstützende Therapie zur Verfügung, die Beschwerden wie zum Beispiel Schmerzen lindern und die Lebensqualität erhalten soll. Um hier Vor- und Nachteile beurteilen zu können, muss Cabazitaxel mit der unterstützenden Therapie verglichen werden.

Für diesen Vergleich hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Ergebnisse einer Studie bewertet, in der alle Teilnehmer eine unterstützende Behandlung in Anspruch nehmen konnten. Eine Gruppe dieser Männer erhielt Cabazitaxel in Kombination mit Prednison. Die andere Gruppe bekam eine unterstützende Therapie, die den Wirkstoff Mitoxantron beinhaltete, in Kombination mit Prednison. Die folgenden Ergebnisse stammen aus dieser Studie.

Hat Cabazitaxel Vorteile?

  • Lebenserwartung: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Cabazitaxel das Leben verlängern kann. Dies gilt insbesondere für ältere Patienten ab 65 Jahren: Von den Männern, die Cabazitaxel erhielten, war nach 15 Monaten die Hälfte gestorben. Von den Männern, die eine unterstützende Therapie in Anspruch nahmen, war nach etwa 12 Monaten die Hälfte gestorben. Männer unter 65 Jahren können ebenfalls von einer Lebensverlängerung durch Cabazitaxel ausgehen. Allerdings ist diese nicht klar zu beziffern.
  • Krankheitsfolgen: Hier wurde der Einfluss auf Schmerzen untersucht. Es zeigt sich kein Unterschied zwischen Cabazitaxel und der unterstützenden Therapie.
  • Lebensqualität: Es lagen keine geeigneten Vergleichsdaten vor, wie Cabazitaxel die Lebensqualität beeinflusst.

Hat Cabazitaxel Nachteile?

  • Nebenwirkungen: Nebenwirkungen waren bei den mit Cabazitaxel behandelten Männern häufiger. Das galt beispielsweise für schwere unerwünschte Ereignisse wie Durchfälle, Blutarmut und Neutropenien. Hier sinkt die Zahl weißer Abwehrzellen im Blut stark, so dass die Anfälligkeit für Infektionen zunimmt. Insgesamt traten schwere Nebenwirkungen bei 57 von 100 Männern auf, die Cabazitaxel erhielten. Von 100 Männern, die nur eine unterstützende Behandlung in Anspruch nahmen, waren es 39.
  • Behandlungsabbrüche wegen Nebenwirkungen: Insgesamt brachen mit Cabazitaxel behandelte Männer die Behandlung häufiger ab. Von 100 Männern, die Cabazitaxel erhielten, brachen 18 die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Von 100 Männern, die nur unterstützend behandelt wurden, waren es etwa 8.
  • Informationen über mögliche Nebenwirkungen finden sich im Beipackzettel.

Wo finde ich weitere Informationen?

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines im Januar 2012 veröffentlichten Gutachtens des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zusammen. Das vollständige Gutachten finden Sie hier.

Auftraggeber ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Rahmen der „frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln nach § 35a SGB V“. Der G-BA hat im März 2012 auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen einen Beschluss zum Nutzen von Cabazitaxel (Jevtana) gefasst. Über den Hintergrund der Nutzenbewertungen und den Beschluss können Sie sich auf der Website des G-BA informieren: www.g-ba.de.

Eine Bewertung des Wirkstoffs Abirateron, der ebenfalls für Männer mit metastasierten „hormonrefraktären“ oder auch „kastrationsresistenten“ Prostatakarzinom infrage kommt, finden Sie hier.

Quelle: www.gesundheitsinformation.de


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