Radium: Wie aus einer brisanten Entdeckung ein erfolgreiches Krebstherapeutikum wurde

23. Juni 2017 | Kategorie: Pharmaindustrie

 

Haematologie-info  

Dezember 1898: Marie und Pierre Curie veröffentlichen die Entdeckung eines bisher unbekannten Elements, das sie Radium – „das Strahlende“ – nennen / Potenzial von Radium zur Bekämpfung von Krebs wurde bereits damals erkannt / Über 100 Jahre später: Radium-223 ist in der Therapie bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs und Knochenmetastasen etabliert

Als Marie Curie und ihr Ehemann Pierre 1898 (1) das neue Element ‚Radium‘ entdeckten, ahnten sie nicht, welchen Stein die Erforschung von Radium ins Rollen bringen würde. Denn mit dem neuen Element wurde das Fundament für ein Radiopharmazeutikum zur Behandlung von Prostatakrebs gelegt: 2013 erhielt Radium-223-dichlorid (Xofigo®) die Zulassung für die Behandlung von Erwachsenen mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom und symptomatischen Knochenmetastasen ohne bekannte Viszeralmetastasen, d. h. ohne Metastasen in inneren Organen. (2,3) Wie in der Zulassungsstudie ALSYMPCA gezeigt, kann Radium-223 das Leben der Patienten signifikant verlängern und zugleich die Lebensqualität erhalten.(2)

Die erste weibliche Nobelpreisträgerin
„Die Geschichte des Elements Radium ist untrennbar mit Marie Curie verbunden“, erklärt Dr. rer. nat. Susanne Rehn-Taube, München, im Rahmen einer Presseveranstaltung* zum 150. Geburtstag von Marie Curie. Die Wissenschaftlerin entdeckte das Radium nicht nur in Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann Pierre, sondern isolierte es auch und bestimmte seine atomare Masse.(4) „Marie Curie erforschte zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere die von Henri Becquerel entdeckten Strahlen und untersuchte daraufhin systematisch weitere chemische Elemente. Sie konnte schließlich die Radioaktivität des Elementes Thorium nachweisen“ führt Rehn weiter aus.(5) Nach der Entdeckung der Radioaktivität von Thorium dehnte Marie Curie ihre wissenschaftlichen Untersuchungen aus und erforschte ab diesem Zeitpunkt gemeinsam mit Pierre das Phänomen der „geheimnisvollen Strahlen“.(1) Fünf Jahre, nachdem das Ehepaar Curie die Entdeckung von Radium veröffentlicht hatte, erhält Marie Curie als erste Frau einen Nobelpreis. Die beiden Curies und Henri Becquerel wurden gemeinsam für die Entdeckung der Radioaktivität und der radioaktiven Elemente mit dieser höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung – dem Nobelpreis für Physik – geehrt.(6)

Radium zeigte bei der Heilung von Krebs immer bessere Erfolge
Nach seiner Entdeckung wurde Radium schnell populär. So führte Pierre Curie bei seinen Vorlesungstätigkeiten im abgedunkelten Hörsaal den ‚Leuchteffekt‘ von Radium vor, der so stark war, dass man dabei Zeitung lesen konnte.(7) Marie Curie war außerdem davon überzeugt, dass Radium Krebs heilen könnte. Wie sie in ihrer Autobiographie schreibt, zeigte die Heilung verschiedener Krankheiten, insbesondere Krebs, immer bessere Erfolge. Weiter heißt es: „Es wurden Institute gegründet, die nach der neuen Heilmethode arbeiteten. Es ist leicht zu begreifen, wie wertvoll für mich die Überzeugung ist, dass dank dieser Erfindung menschliches Leid […] gelindert werden kann“.(8) Die Forschung war die Leidenschaft und einer der wichtigsten Lebensinhalte von Marie Curie: 1911 wurden ihre Leistungen mit dem zweiten Nobelpreis ausgezeichnet – diesmal mit dem Nobelpreis für Chemie – für die Isolierung des reinen Radiums.(9) Marie Curie zahlte für ihre wissenschaftlichen Erfolge einen hohen Preis: Sie starb am 4. Juli 1934 in der Schweiz in einem Sanatorium. Bereits seit den 30er Jahren war sie immer schwächer geworden. Aus heutiger Perspektive litt Curie vermutlich an Leukämie.(5)

Die „unsichtbaren Strahlen“ in der Nuklearmedizin
Wie Professor Dr. med. Klemens Scheidhauer, München, erklärt, entsteht radioaktive Strahlung bei der Umwandlung von instabilen Atomkernen, diese werden auch Radionuklide genannt. Man unterscheidet zwischen drei verschiedenen Strahlungsarten, der Alpha-, Beta-, und Gammastrahlung. Radionuklide werden in der Nuklearmedizin nicht nur zur Diagnostik, sondern auch in der Therapie eingesetzt. „In der Diagnostik spielen funktionelle bildgebende Verfahren – wie die Skelettszintigraphie oder die Positronen-Emissions-Tomographie und die Computertomographie (PET/CT) – eine entscheidende Rolle“, erläutert der Nuklearmediziner. Bei der Skelettszintigraphie können Veränderungen des Knochenstoffwechsels sichtbar gemacht werden, insbesondere wenn dieser erhöht ist, dies ist beispielsweise bei Knochenmetastasen der Fall.(10) Die PET zeigt beispielsweise mithilfe von radioaktiv markiertem Traubenzucker Unterschiede im Stoffwechsel an.(11) In der nuklearmedizinischen Strahlentherapie kommen meist Radionuklide zum Einsatz, die Beta- oder Alphastrahlen abgeben. Betastrahler wie Samarium-153 oder Strontium-89 können in der Therapie des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms zur Schmerztherapie in Betracht gezogen werden.(2,12)

Mit Radium-223 spezifisch und zielgerichtet vorgehen
Das Radiopharmazeutikum Xofigo® ist der derzeit einzige Vertreter der zielgerichteten Alpha-Therapie. Der Patient erhält eine intravenöse Injektion mit Radium-223-dichlorid, die ungefähr eine Minute dauert. Das Behandlungsschema umfasst insgesamt sechs Injektionen – alle vier Wochen eine Injektion.(3) Auch wenn zur Zeit Marie Curie‘s Radium-226 als mögliche Waffe gegen Krebs gesehen wurde, ergaben sich historisch gesehen Sicherheitsbedenken aus seiner langen Halbwertszeit. Erst nach 1.601 Jahren sind die Hälfte der Atome des radioaktiven Stoffes von Radium-226 zerfallen, während die Halbwertszeit von Radium-223 lediglich 11,4 Tage beträgt.(13) Radium-223 wird aufgrund seiner Ähnlichkeit mit Kalzium in neu gebildete Knochensubstanz in und um ossäre Metastasen eingebaut und zerstört benachbarte Tumorzellen. Aufgrund der geringen Reichweite des Alphastrahlers bleibt umliegendes gesundes Gewebe weitgehend verschont.(2,3) Knochenmark, das sich in unmittelbarer Nähe der Knochenmetastase befindet, wird deshalb in der Regel kaum belastet. Als Team für den Patienten arbeiten der Nuklearmediziner und der Urologe beziehungsweise Onkologe eng zusammen. Die Diagnose und Indikationsstellung liegen in der Verantwortung des Urologen oder Onkologen. Der Nuklearmediziner bestätigt die Indikation, klärt den Patienten über die Therapie auf und führt sie ambulant durch.

Auch unter ‚Real-Life-Bedingungen‘ wirksam
Dass Radium-223 auch unter realen Praxisbedingungen (Real-Life) über ein günstiges Sicherheitsprofil verfügt, bestätigen die Ergebnisse einer einarmigen Phase-III-b-Studie, die im Rahmen eines internationalen Early-Access-Programms (iEAP) durchgeführt wurde.(14) Im iEAP war es möglich, Patienten bereits in der Zeit zwischen Ende der Zulassungsstudie und Produkteinführung mit Radium-223 zu behandeln. „Das Gesamtüberleben (OS) war mit 16 Monaten vergleichbar mit dem der ALSYMPCA-Studie (14,9 Monate)“, so Professor Dr. med. Jürgen E. Gschwend, München. „Zudem ergaben sich Hinweise auf ein verlängertes Gesamtüberleben, wenn die Patienten zum Zeitpunkt der Basisuntersuchung ein relativ gutes Allgemeinbefinden und eine geringe Tumorlast aufwiesen, und weder Schmerzen hatten noch Opioide einnahmen“, erklärt der Urologe weiter.(14,15) Aus weiteren Auswertungen der Phase-III-b-Studie ergaben sich Hinweise, dass diejenige Patienten einen zusätzlichen Überlebensvorteil haben können, die Radium-223 parallel mit einer neuartigen Antihormontherapie erhielten.(14)

Laut Prof. Dr. Gschwend wurden auf dem diesjährigen US-amerikanischen Krebskongress ASCO, der kürzlich in Chicago stattfand, erste Zwischenergebnisse der Langzeit Beobachtungsstudie REASSURE vorgestellt. Ziel dieser Phase-IV-Studie ist es, die Sicherheit von Radium-223 über einen Zeitraum von sieben Jahren unter ‚Real-Life-Bedingungen‘ zu beobachten. Zwischen September 2014 und September 2016 wurden 1106 Patienten in Nordamerika und Europa in die Studie aufgenommen. Ein erstes Zwischenergebnis mit 583 Patienten zeigt unter anderem, dass Patienten, welche Radium-223 als Erst- oder Zweitlinientherapie erhielten, die Behandlung mit fünf bis sechs Injektionen abschließen konnten. Das Behandlungsschema von Radium-223 umfasst sechs Injektionen.(16)

*Zum 150. Geburtstag von Marie Curie: Radium – Wie aus einer brisanten Entdeckung ein Meilenstein für die Medizin wurde, 20. Juni 2017 in München.

Quellen
(1) http://www.seilnacht.com/chemiker/checur.html
(2) Parker C et al., N Eng J Med 2013; 369: 213-223.
(3) Xofigo® (Radium-223-dichlorid) 1100 kBq/ml Injektionslösung, Fachinformation, Bayer AG.
(4) Alina Schadwinkel, Zeit online, Geschichte, 02. Oktober 2011.
(5) http://www.deutsches-museum.de/fileadmin/Content/data/Insel/Information/KT/heftarchiv/1979/3-4-42.pdf
(6) http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/1903/
(7) http://www.seilnacht.com/Lexikon/88Radium.htm
(8) Marie Curie, Selbstbiographie, Books on Demand: Norderstedt, 2016.
(9) https://www.dhm.de/lemo/biografie/marie-curie
(10) https://www.krebsinformationsdienst.de/untersuchung/szintigraphie.php
(11) https://www.krebsinformationsdienst.de/untersuchung/pet.php
(12) Tannock IF. N Engl J Med 2004; 351:1502-1512.
(13) Vapiwala, N. and Glatstein, E. N Engl J Med 2013;369:276-278.
(14) Saad F et al., The Lancet Oncology 2016; 17(9): 1306–1316.
(15) Heidenreich et al. ASCO Genitourinary Cancers Symposium 2017 (abstract #158).
(16) Higano et al, ASCO Annual Meeting 2017, Abstract #5042.

Bayer: Science For A Better Life

Bayer ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den Life-Science-Gebieten Gesundheit und Agrarwirtschaft. Mit seinen Produkten und Dienstleistungen will das Unternehmen den Menschen nützen und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Gleichzeitig will der Konzern Werte durch Innovation, Wachstum und eine hohe Ertragskraft schaffen. Bayer bekennt sich zu den Prinzipien der Nachhaltigkeit und handelt als „Corporate Citizen“ sozial und ethisch verantwortlich. Im Geschäftsjahr 2016 erzielte der Konzern mit rund 115.200 Beschäftigten einen Umsatz von 46,8 Milliarden Euro. Die Investitionen beliefen sich auf 2,6 Milliarden Euro und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 4,7 Milliarden Euro. Diese Zahlen schließen das Geschäft mit hochwertigen Polymer-Werkstoffen ein, das am 6. Oktober 2015 als eigenständige Gesellschaft unter dem Namen Covestro an die Börse gebracht wurde. Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter www.bayer.de

Die Bayer Vital GmbH vertreibt die Arzneimittel der Divisionen Consumer Health und Pharmaceuticals sowie die Tierarzneimittel der Geschäftseinheit Animal Health in Deutschland. Mehr Informationen zur Bayer Vital GmbH finden Sie unter: www.gesundheit.bayer.de

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Quelle: Bayer


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