Schwarzer Hautkrebs im fortgeschrittenen Stadium

4. Februar 2016 | Kategorie: Krebserkrankungen

Der Begriff Hautkrebs umfasst mehrere Krankheiten der Haut, die sich sowohl in ihren biologischen Eigenschaften, ihrer Bösartigkeit als auch bezüglich der Therapie stark unterscheiden. Schwarzer Hautkrebs, auch malignes („bösartiges“) Melanom genannt, ist früh erkannt durch eine chirurgische Entfernung des krankhaft veränderten Gewebes gut behandelbar. Spät entdeckter (fortgeschrittener) schwarzer Hautkrebs ist hingegen sehr aggressiv und gefährlich. Er breitet sich schnell im Körper aus und hat zum Zeitpunkt der Entdeckung manchmal schon Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet.(1,2) Schwarzer Hautkrebs hat im Vergleich zu anderen Hautkrebsarten die höchste Entstehungsrate von Tochtergeschwülsten und ist infolgedessen die Hautkrebsart mit den meisten Todesfällen.(3)

Häufigkeit und Sterblichkeitsrate beim schwarzen Hautkrebs

Schwarzer Hautkrebs ist bezogen auf das Jahr 2010 die fünfthäufigste Krebsart hinsichtlich der Neuerkrankungsrate. Dies betraf etwa 9.640 Männer und 9.580 Frauen (4), wobei Frauen in der Regel früher erkranken als Männer (Durchschnittsalter 58 Jahre bei Frauen vs. 66 Jahre bei Männern).(4)

Nur etwa ein Prozent aller durch Krebs bedingten Todesfälle wird durch Hautkrebs verursacht. Das entspricht ca. 3.000 Todesfällen pro Jahr.(5) Allerdings ist der „schwarze Hautkrebs“ für über 80 bis 90 Prozent dieser Todesfälle verantwortlich.(5,3)

Die Prognose für das Überleben von Patienten mit schwarzem Hautkrebs hängt stark davon ab, wie früh bzw. in welchem Stadium die Erkrankung festgestellt und behandelt wird. Die Wahrscheinlichkeit, nach 5 Jahren noch zu leben, liegt für Frauen bei 94% und für Männer bei 89%.4 Seit im Jahr 2008 die Früherkennungsmaßnahmen in Deutschland deutlich verbessert wurden, konnten viele Hauttumoren bereits in einem frühen Stadium entdeckt und entsprechend behandelt werden – die Sterblichkeitsrate ist daraufhin gesunken.(4)

Entstehung und Ursachen des schwarzen Hautkrebses

Hautkrebs entsteht – wie der Name schon sagt – in der Haut, allerdings in unterschiedlichen Zelltypen bzw. Hautschichten. Der schwarze Hautkrebs bildet sich in der Regel aus krankhaft veränderten Pigmentzellen (Melanozyten) der tieferen Hautschichten der Oberhaut (Epidermis).(6)

Die Oberhaut (Epidermis) setzt sich aus drei Schichten zusammen: Basalzellschicht (Erneuerungsschicht), Stachelzellschicht und Hornschicht. Die Basalzellschicht bzw. die unterste Schicht der Oberhaut enthält außerdem pigmentbildende Melanozyten. Melanozyten sind Hautzellen, die durch die Bildung des Farbstoffs Melanin eine wichtige Schutzfunktion gegen UV-Strahlung übernehmen.(6) Die Hauptursache für die Entstehung von schwarzem Hautkrebs sind Schäden, die durch Sonnenlicht bzw. UV-Strahlung hervorgerufen werden. Bei hellhäutigen Personen und bei Menschen, die sich häufig der Sonnenbestrahlung aussetzen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, ein Melanom bzw. schwarzen Hautkrebs zu entwickeln. Dies gilt auch für Personen, die häufiger, vor allem in der Kindheit, Sonnenbrände erlitten haben. Das Hautkrebsrisiko ist zudem grundlegend erhöht, wenn die Person über eine größere Anzahl von Pigmentflecken, umgangssprachlich Leberflecken oder Muttermale, verfügt: Diese Pigmentflecken können sogar Vorläufer für die Entstehung des schwarzen Hautkrebses sein. Das Risiko an schwarzem Hautkrebs zu erkranken ist außerdem erhöht wenn in der Familie schon einmal ein Melanom aufgetreten ist.(3)

Diagnose Hautkrebs: Einteilung in Krankheitsstadien

Die Diagnose schwarzer Hautkrebs wird anhand verschiedener diagnostischer Verfahren, wie z. B. feingeweblicher Untersuchungen von Gewebeentnahmen (Biopsie) verdächtiger Hautveränderungen, bildgebender Verfahren, wie Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Kernspin- bzw. Magnetresonanz-tomographie (MRT) sowie durch Blutuntersuchungen gestellt.2 Wird schwarzer Hautkrebs nachgewiesen, gilt es die Heilungschancen für Patienten einzuschätzen sowie die bestmögliche Therapieentscheidung zu treffen. Dies erfolgt mittels eines TNM-Klassifikationssystems, das den Hautkrebs anhand festgelegter Kriterien in verschiedene Tumorstadien einteilt. Die TNM-Klassifikation betrachtet:(8)

  • T = den Tumor: Wie dick ist der Tumor bzw. wie tief ist der Tumor in die Haut eingewachsen?
  • N = die Lymphknoten (engl. Nodes): Wie viele Lymphknoten sind bereits von Krebszellen befallen (regionale Metastasen)?
  • M = die Metastasen: Hat sich der Krebs bereits in andere entfernte Organe des Körpers ausgebreitet (Tochtergeschwülste bzw. Fernmetastasen) und wenn ja, wo?

Die daraus resultierenden Stadien sind gegliedert in:(6)

  • Stadium I: Schwarzer Hautkrebs im Frühstadium; geringe Tumordicke und keine Metastasen
  • Stadium II: Schwarzer Hautkrebs mit mittlerer Tumordicke; Übergriff auf den unteren Teil der inneren Hautschicht (Dermis); Kein Übergriff auf das Gewebe unter der Haut, kein Befall von Lymphknoten
  • Stadium III: Schwarzer Hautkrebs mit höherer Tumordicke; Befall der Lymphknoten (regionale Metastasen)
  • Stadium IV: Schwarzer Hautkrebs, dessen Krebszellen bereits andere Organe des Körpers befallen haben (Tochtergeschwülste bzw. Fernmetastasen)

Zur Stadieneinteilung gehört zudem die Beobachtung, wie schnell sich die Krebszellen teilen (Mitoserate) und ob das Geschwulst „ulzeriert“ ist, also ob es blutet, nässt oder eine Kruste gebildet hat. Eine hohe Zellteilungsrate sowie die Ulzeration des Krebsgeschwüres stellen zusätzliche Risikofaktoren dar. Das Vorliegen dieser Risikofaktoren bedeuten auch bei frühen Tumorstadien mit normalerweise niedrigem Risiko, dass trotz geringer Eindringtiefe des Tumors in die Haut, zusätzliche vorsorgliche Untersuchungen notwendig sind.(6)

Therapie des schwarzen Hautkrebs: Fokus fortgeschrittenes Stadium

Die Wahl der Therapie zur Behandlung von schwarzem Hautkrebs ist abhängig vom Stadium der Erkrankung. Frühe Stadien haben in der Regel den Vorteil, dass der Tumor lokal begrenzt ist und die vollständige operative Entfernung des bösartigen Gewebes mit guten Prognosen einhergeht. Dank intensiver Früherkennungsmaßnahmen und umfassender Aufklärung werden inzwischen viele Melanome in diesem frühen Stadium erkannt und behandelt.5 In der Regel sind die Patienten nach der entsprechenden Behandlung geheilt.(6)

Je weiter die Erkrankung fortgeschritten ist, desto schwieriger wird die Behandlung und umso schlechter ist die Prognose der Patienten.2 Im Stadium III, das nochmals in drei Stufen A, B und C unterteilt ist, ist die Prognose sehr unterschiedlich9. Die dreistufige Einteilung erfolgt anhand der Anzahl vorhandener Metastasen und Lymphknotenmetastasen sowie durch die Betrachtung, ob eine Ulzeration des Ursprungsgeschwulstes vorliegt. In Abhängigkeit von der jeweiligen Stufe wird individuell entschieden, welche Behandlung zum Einsatz kommt.(6)

Das Stadium IV – metastasierter schwarzer Hautkrebs im fortgeschrittenen Stadium – gilt als eine der aggressivsten Krebserkrankungen mit einer der schlechtesten Prognosen. Die Wahrscheinlichkeit, nach 5 Jahren noch zu leben, liegt bei lediglich 5-10 Prozent und die Lebenserwartung umfasst häufig nur etwa 6 bis 10 Monate.10 Die therapeutischen Möglichkeiten sind begrenzt: Die einzigartige Biologie des Tumors macht es schwierig vorherzusagen, wohin er streuen wird. Andere Krebsarten haben „typische“ Ausbreitungsorte, der schwarze Hautkrebs vermag es jedoch, sich in viele verschiedene Organe zu verbreiten.(10)

Die Operation gilt nach wie vor als wichtige Therapieoption – zur Linderung der Symptome und unter bestimmten Umständen (z.B. bei wenigen, gut operablen Geschwülsten) zur Eindämmung der Erkrankung.(6) Bösartige Geschwülste treten jedoch häufig an Stellen auf, die keine operative Entfernung zulassen, oder sie haben sich bereits in zu viele bzw. weit verteilte Körperregionen verbreitet. Die Strahlentherapie sowie die medikamentösen Therapieformen sind dann die einzige Möglichkeit, um den Krankheitsverlauf einzudämmen.(2) Die Chemotherapie ist die medikamentöse Therapieform, die bis vor wenigen Jahren überwiegend zum Einsatz kam. Die dabei verabreichten Medikamente breiten sich über den Blutkreislauf im ganzen Körper zur Krebsbekämpfung aus. Die Behandlung des fortgeschrittenen, schwarzen Hautkrebses zeigte bei diesen Therapieformen jedoch nur geringe positive Effekte.(3)

Neue Hoffnung für die Behandlung schwerer, fortgeschrittener Krebserkrankungen versprechen sich die Mediziner von innovativen Medikamenten aus dem Bereich der Immunonkologie: Diese immunonkologischen Therapeutika haben einen neuen Wirkansatz. Sie zielen darauf ab das körpereigene Immunsystem wieder in die Lage zu versetzen die Krebszellen zu erkennen und sie zu zerstören.11 Im Gegensatz zu den bisherigen Medikamenten wie z.B. die Chemotherapeutika bekämpfen die immunonkologischen Medikamente nicht die Krebszelle an sich, sondern reaktivieren und stärken das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen den schwarzen Hautkrebs. Der Wirkstoff Pembrolizumab ist eine dieser innovativen immunonkologischen Therapieoptionen, der zur Behandlung des fortgeschrittenen, metastasierten schwarzen Hautkrebses zugelassen wurde(12).

Mehr Informationen zum Thema Hautkrebs finden Sie unter: www.melanom.de.

Literatur:

1 Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Hautkrebs: Basaliome, Plattenepithelkarzinome, maligne Melanome. Abrufbar unter: www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/weitere-tumorarten/hautkrebs.php; Letzter Zugriff: 23.11.2015.
2 Stiftung Deutsche Krebshilfe. Die blauen Ratgeber „Hautkrebs. Antworten. Hilfen. Perspektiven.“. Stand: 5/2015.
3 Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, Deutschen Krebsgesellschaft e.V. und Deutschen Krebshilfe e.V. Malignes Melanom. S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Melanoms“. Version 1.1 – Februar 2013. Abrufbar unter www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/032-024OL.html; Letzter Zugriff: 24.11.2015.
4 Robert Koch-Institut und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V.: „Krebs in Deutschland 2009/2010“, 9. Ausgabe, 2013; Abrufbar unter: www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/ kid_2013/krebs_in_deutschland_2013.pdf?__blob=publicationFile; Letzter Zugriff: 24.11.2015.
5 Kraywinkel K, et al. Epidemiologie und Früherkennung häufiger Krebserkrankungen in Deutschland. Hrsg. Robert Koch-Institut Berlin, GBE kompakt 3(4), 2012. Abrufbar unter: www.rki.de/gbe-kompakt; Letzter Zugriff: 30.11.2015.
6 Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., Deutsche Krebsgesellschaft e. V., Deutsche Krebshilfe e. V. Melanom. Ein Ratgeber für Patientinnen und Patienten. Patientenleitlinie, 2014.
7 Wikipedia. Fitzpatrick Scale. Abrufbar unter en.wikipedia.org/wiki/Fitzpatrick_scale. Letzter Zugriff: 13.01.2016.
8 Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. TNM-System. TNM-System und Staging. Abrufbar unter: www.krebsinformationsdienst.de/untersuchung/tnm.php; Letzter Zugriff: 18.12.2015.
9 Balch CM et al. Multivariate analysis of prognostic factors among 2,313 patients with stage III melanoma: Comparison of nodal micrometastases versus macrometastases. J Clin Oncol 2010;28(14):2452-59.
10 Leung AM et al. Surgery for Distant Melanoma Metastasis. Cancer J 2012; 18(2): 176–184.
11 Luke JJ, et al. PD-1 pathway inhibitors: The next generation of immunotherapy for advanced melanoma. Oncotarget. 2015;6:3479–3492.
12 Fachinformation Pembrolizumab, Stand Juli 2015.

Quelle: MSD


Hautkrebs

(Bildquelle: www.melanom.de)


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