SCLC und NSCLC: OS-Verlängerung durch Kombinationstherapien mit Atezolizumab

29. Oktober 2018 | Kategorie: Im Focus

Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom (SCLC) profitieren von einem signifikant längeren Gesamtüberleben, wenn sie firstline Atezolizumab (Tecentriq®▼) in Kombination mit Chemotherapie erhalten. Darüber hinaus überleben auch Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) signifikant länger, wenn sie in der Erstlinientherapie den PD-L1-Inhibitor gemeinsam mit Bevacizumab (Avastin®) und Chemotherapie bekommen – dies belegen aktuelle Phase-III-Studiendaten, die im Rahmen eines Symposiums der Roche Pharma AG auf dem Jahrestreffen der European Society for Medical Oncology (ESMO) in München präsentiert wurden (1-3).

Kleinzelliges Lungenkarzinom: Erster Lichtblick nach 2 Jahrzehnten des Stillstands

Beim lokal fortgeschrittenen oder metastasierten kleinzelligen Lungenkarzinom mit extensiver Ausbreitung (ES-SCLC) konnten seit 20 Jahren keine relevanten therapeutischen Fortschritte erzielt werden. Daher sind die nun vorgestellten Daten der IMpower133-Studie umso bedeutender für Betroffene und Therapeuten: Zuvor unbehandelte Patienten mit ES-SCLC überlebten nach einem medianen Follow-up von 13,9 Monaten median 2 Monate länger, wenn sie eine kombinierte Therapie aus dem PD-L1-Inhibitor Atezolizumab und Chemotherapie (Carboplatin und Etoposid) erhielten (medianes Gesamtüberleben (mOS): 12,3 vs. 10,3 Monate unter Placebo/Chemotherapie). Dies entspricht einer Reduktion des Mortalitätsrisikos um 30% (HR=0,70; 95%-KI: 0,54-0,91; p=0,0069). Mehr als die Hälfte der Patienten (51,7%) war nach einem Jahr noch am Leben, gegenüber 38,2% der mit Placebo/Chemotherapie behandelten Patienten (1).

In Bezug auf das progressionsfreie Überleben (PFS) profitierten die Patienten ebenfalls signifikant von der Kombinationstherapie Atezolizumab/Chemotherapie. So betrug das mediane PFS im Atezolizumab-Arm 5,2 Monate vs. 4,3 Monate im Placebo/Chemotherapie-Arm (HR=0,77; 95%-KI: 0,62-0,96; p=0,017). Gegenüber Placebo/Chemotherapie wurde durch die Hinzunahme von Atezolizumab der Anteil an Patienten, die nach einem Jahr noch progressionsfrei waren, mehr als verdoppelt (12,6% vs. 5,4%). Die Vorteile in Bezug auf das OS und PFS zeigten sich konsistent über alle wichtigen Subgruppen hinweg. Zudem erwies sich die Firstline-Kombination aus Atezolizumab/Chemotherapie als sicher und gut verträglich: Die Rate an unerwünschten Ereignissen vom Grad 3/4 wurde durch die zusätzliche Behandlung mit Atezolizumab nicht klinisch relevant erhöht (67,2% vs. 63,8%) (1).

Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom: 4,5 Monate längeres mOS unter Kombinationstherapie

Bei vorbehandelten Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) erweitert der Checkpoint-Inhibitor Atezolizumab das Therapiespektrum seit September 2017 um eine wirksame und gut verträgliche Behandlungsoption (4,5). Dass zukünftig jedoch auch unbehandelte NSCLC-Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom von Atezolizumab – als Kombinationspartner von Bevacizumab und Chemotherapie (Carboplatin und Paclitaxel) – profitieren können, belegen Ergebnisse der Phase-III-Studie IMpower150. Die Patienten der Intention-to-Treat-(ITT-)Wildtyp-(WT-)Population, die Atezolizumab zusätzlich zu Bevacizumab und Chemotherapie erhielten, lebten im Median 4,5 Monate länger (19,2 vs. 14,7 Monate unter Bevacizumab/Chemotherapie; HR=0,78; 95%-KI: 0,64–0,96; p=0,02) (2). Zwei Subgruppen profitierten dabei ganz besonders: Patienten mit Lebermetastasen und Patienten mit EGFR/ALK-Mutationen. Bisher haben Patienten mit Lebermetastasen eine allgemein schlechte Prognose, gleichfalls besteht für Patienten mit EGFR/ALK-Mutationen nach TKI-Vorbehandlung ein hoher therapeutischer Bedarf. Die Patientengruppe mit Lebermetastasen, auf die in der Studie prospektiv stratifiziert wurde, erreichte unter der Therapie mit Atezolizumab/Bevacizumab/Chemotherapie einen mOS-Vorteil von 4,1 Monaten (13,2 vs. 9,1 Monate; HR=0,54; 95%-KI: 0,33-0,88). Das mOS in der Subgruppe mit einer EGFR/ALK-Mutation wurde zum Zeitpunkt des Data cut-offs (mind. Follow-up 13,5 Monate) sogar noch nicht erreicht (n.e. vs. 17,5 Monate; HR=0,54; 95%-KI: 0,29-1,03) (3). Im Unterschied zu anderen Firstline-Kombinationsstudien mit Immuntherapien durfte diese Patientengruppe in die IMpower150-Studie eingeschlossen werden.

Die Firstline-Kombination aus Atezolizumab/Bevacizumab/Chemotherapie reduzierte zudem das Progressionsrisiko bei Patienten mit fortgeschrittenem nicht-plattenepithelialen NSCLC gegenüber Bevacizumab/Chemotherapie signifikant um 38% (PFS: 8,3 vs. 6,8 Monate; HR=0,62; 95%-KI: 0,52–0,74; p<0,001) (2). Gleichzeitig waren unter Atezolizumab und Bevacizumab + Carboplatin und Paclitaxel mehr als doppelt so viele Patienten nach 12 Monaten weiterhin progressionsfrei als unter Bevacizumab/Chemotherapie (37% vs. 18%) (2). Der PFS-Vorteil zeigte sich in allen untersuchten Subgruppen, einschließlich Patienten ohne PD-L1-Expression, Patienten mit Lebermetastasen sowie jenen mit EGFR- und ALK-Mutationen (2). Auch in dieser Studie erwies sich Atezolizumab in Kombination mit Bevacizumab und Chemotherapie als sicher und gut verträglich: So war das Sicherheitsprofil konsistent zu dem der Einzelsubstanzen (2). Atezolizumab als Teil zukünftiger Behandlungskonzepte

Jeder Patient ist einzigartig und soll künftig genau die Krebsimmuntherapie erhalten, die ihn für seinen persönlichen Kampf gegen den Krebs stark macht. Im Rahmen eines umfassenden Studienprogramms erforscht Roche Atezolizumab aktuell in verschiedenen Indikationen und Therapiesituationen – als Monotherapie und in Kombination mit Chemotherapien und anderen zielgerichteten Therapien. Allein beim fortgeschrittenen Lungenkarzinom liegen mit der IMpower133 und IMpower150 mittlerweile die Resultate von insgesamt 5 positiven Phase-III-Studien vor. Weitere Phase-III-Studien untersuchen derzeit Mono- und Kombinationstherapien mit Atezolizumab in verschiedenen Therapiesituationen des Lungenkarzinoms.

▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Bitte melden Sie Nebenwirkungen an die Roche Pharma AG (grenzach.drug_safety@roche.com oder Fax +49 (0)7624 / 14-3183) oder an das Paul-Ehrlich-Institut (www.pei.de oder Fax: +49 (0)6103 / 77-1234).

Literatur:
(1) Liu S et al. WCLC 2018; Abstract PL02.07.
(2) Socinski MA et al. N Engl J Med 2018;378(24):2288-301.
(3) Socinski MA et al. J Clin Oncol 2018;36(Suppl):Abstract 9002.
(4) Rittmeyer A et al. Lancet 2017;389:255-65.
(5) Fachinformation Tecentriq®, Stand: Juli 2018.

Quelle: Roche


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