Von der Vision zur Realität: Präzisionsonkologie beim Lungenkarzinom

2. Dezember 2019 | Kategorie: Pharmaindustrie

Das Lungenkarzinom wird schon lange nicht mehr nur in kleinzellig (SCLC) und nicht-kleinzellig (NSCLC) unterteilt. Vielmehr gewinnen molekulargenetische Marker in der Praxis zunehmend an Re­le­vanz.1 Insbesondere beim NSCLC sind heute eine Vielzahl onkogener Alterationen bekannt2 – und zu­neh­mend sind auch personalisierte Therapien verfügbar, die präzise an den molekulargenetischen Ursachen des Tumors ansetzen. Gleichzeitig eröffnet die Krebsimmuntherapie für die Behandlung von immer mehr Lungenkrebspatienten eine weitere Perspektive. Im Rahmen eines Lunchsymposiums der Roche Pharma AG auf dem diesjährigen AIO-Herbstkongress in Berlin wurde aufgezeigt, dass eine präzise und individuelle Behandlung beim Lungenkarzinom zunehmend Realität wird und wie wichtig dabei eine präzise Diagnostik ist. Denn diese ist zentrale Voraussetzung dafür, dass möglichst viele Patienten von den jüngsten Fortschritten in der Onkologie profitieren können. Mit dem Krebsimmuntherapeutikum Tecentriq® (Atezolizumab) und personalisierten Therapien wie Alecensa®(Alectinib) trägt Roche ent­scheidend dazu bei, dass immer mehr Lungenkrebspatienten eine moderne Therapie erhalten, die sie optimal in ihrem individuellen Kampf gegen den Krebs unterstützt. Im Bereich der personalisierten Medizin befindet sich zudem mit Entrectinib ein Wirkstoff für die Behandlung des ROS1-Fusions-positiven NSCLC und NTRK-Fusions-positiver solider Tumoren in fortgeschrittener klinischer Ent­wick­lung.

Für Patienten mit fortgeschrittenem SCLC war die Chemotherapie lange die einzige Therapieoption. Dies änderte sich im September 2019 mit der First-Line-Zulassung des PD-L1-Inhibitors Tecentriq in Kombination mit Etoposid und Carboplatin.3 „Tecentriq ist das erste zugelassene Krebsimmuntherapeutikum beim SCLC – und der erste medikamentöse Fortschritt für unsere Patienten überhaupt nach Jahrzehnten“, so Prof. Dr. Martin Reck, Grosshansdorf. „Die Kombination mit Tecentriq war in der Zulassungsstudie beim Gesamtüberleben der alleinigen Chemotherapie signifikant überlegen und ist ganz klar der neue Standard beim fortgeschrittenen SCLC.“4 Auch NSCLC-Patienten bietet Tecentriq die Chance auf ein signifikant verlängertes Überleben: So reduziert beispielsweise die First-Line-Kombination aus Tecentriq, Avastin® (Bevacizumab) und Chemotherapie das Mortalitätsrisiko von NSCLC-Patienten mit Lebermetastasen signifikant um fast die Hälfte (HR: 0,52; mOS: 13,3 vs. 9,4 Monate).5 Neben den Krebsimmuntherapien stehen für die Behandlung des fortgeschrittenen NSCLC aber zunehmend auch personalisierte Therapien zur Verfügung, die auf mo­le­ku­lar­ge­ne­ti­sche Marker wie ALK oder ROS1 basieren. So profitieren ALK-Fusions-positive NSCLC-Patienten von der sehr guten systemischen und ZNS-Wirksamkeit des First-Line-Standards Alecensa mit einem medianen PFS von 34,8 Monaten.6 Auch für den Wirkstoff Entrectinib konnte eine hohe systemische und intrakranielle Wirksamkeit nachgewiesen werden – und zwar bei Patienten mit ROS1- und NTRK-Fusions-positivem NSCLC sowie weiteren NTRK-Fusions-positiven soliden Tumoren.

Entrectinib: Sehr gute Wirksamkeit bei ROS1-Fusions-positivem NSCLC

Eine aktualisierte integrierte Analyse der zulassungsrelevanten Studien belegt, dass insgesamt 79,2 % der Patienten mit ROS1-Fusions-positivem NSCLC auf den selektiven TKI‡ bzw. TRK§-Inhibitor ansprachen. 9,4 % der Patienten zeigten eine komplette Remission (CR). Im bisherigen Follow-Up (Cut-Off: 30. Oktober 2018) zeigte sich, dass die Patienten auch längerfristig von einer Therapie mit Entrectinib profitieren können: Sie erreichten – unabhängig vom ZNS-Status – ein progressionsfreies Überleben (PFS) von 19,0 Monaten (Abb. 1).7 Die integrierte Analyse zeigt zudem, dass Patienten mit NTRK-Fusions-positivem NSCLC unter Entrectinib eine ORR von 70,0 % erreichten – davon 10 % sogar eine CR.7


Abb. 1: Unter Entrectinib erreichten Patienten mit ROS1-Fusions-positivem NSCLC ein medianes PFS von 19,0 Monaten7

Über die Hälfte der Patienten haben objektiv intrakraniell angesprochen

Die Daten belegen zudem, dass auch ROS1-Fusions-positive NSCLC-Patienten mit ZNS-Metastasen (43,5 % der Gesamtpopulation) von Entrectinib profitieren können: Rund drei Viertel der Patienten sprachen auf die Behandlung an (ORR: 73,9 %). Die mediane Ansprechdauer (DoR) betrug 12,6 Monate. Diese Patienten erreichten eine intrakranielle ORR von 55,0 % und eine intrakranielle DoR von 12,9 Monaten. Dabei konnte erst nach median 7,7 Monaten eine intrakranielle Progression beobachtet werden.7 „ZNS-Metastasen kommen beim NSCLC verhältnismäßig häufig vor und werden von vielen Patienten gefürchtet – insbesondere aufgrund der neurologischen Beeinträchtigungen, die damit einhergehen können“, betonte Reck. „Daher hat sich beispielsweise Alecensa schnell als Behandlungsstandard bei ALK-Fusions-positivem NSCLC etabliert. Bei ROS1-Fusions-positivem NSCLC kommt es allerdings unter den aktuell verfügbaren Therapieoptionen häufig und schnell zu einer intrakraniellen Progression.“
NTRK-Fusions-positive solide Tumoren: histologieübergreifend wirksam

In den Studien zu Entrectinib wurden nicht nur NSCLC-Patienten, sondern auch Patienten mit anderen NTRK-Fusions-positiven soliden Tumoren untersucht. Auch bei ihnen konnte eine gute Wirksamkeit auf dem jeweiligen Primärtumor und auf ZNS-Metastasen beobachtet werden: Ihre ORR betrug 59,3 % und sie erreichten ein PFS von 11,8 Monaten. Patienten mit ZNS-Metastasen bei Studienbeginn erreichten eine intrakranielle ORR von 54,5 %.8

Das Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil von Entrectinib war in allen Studien gut und konsistent.7,8,9

‡ Tyrosin-Kinase-Inhibitor
§ Tropomyosinrezeptorkinase

Referenzen

1. Jordan EJ et al., Cancer Discov 2017; 7: 596-609
2. Griesinger F et al., Onkopedia-Leitlinie „Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC)“, Stand: Oktober 2018
3. Aktuelle Fachinformation Tecentriq®
4. Horn L et al., N Engl J Med 2018; 379(23): 2220–2229
5. Reck M et al., Lancet Respir Med 2019; 7(5): 387–401
6. Mok T et al., Poster 1484PD, ESMO 2019, 27.09. – 01.10.2019, Barcelona (Spanien)
7. De Braud F et al., Poster 1488PD ESMO 2019, 27.09. – 01.10.2019, Barcelona (Spanien)
8. Rolfo C et al., Poster 476P, ESMO 2019, 27.09. – 01.10.2019, Barcelona (Spanien)
9. Doebele R et al., J Thorac Oncol 2018; 13(19): S321–22 (WCLC 2018; Abstract 13903)

Quelle: Roche


Schlagworte: , , , ,

Kommentare sind geschlossen

Diese Website nutzt den Dienst 'Google Analytics', welcher von der Google lnc. (1600 Amphitheatre Parkway Mountain View, CA 94043, USA) angeboten wird, zur Analyse der Websitebenutzung durch Nutzer. Der Dienst verwendet 'Cookies' - Textdateien, welche auf Ihrem Endgerät gespeichert werden. Falls Sie kein Tracking durch Google Analytics wünschen, klicken Sie bitte hier: Google Analytics Tracking deaktivieren. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen