Wirksamkeit von Tecentriq® im metastasierten und neoadjuvanten Setting bestätigt

29. September 2020 | Kategorie: Substanzen

 

Haematologie-info  

ESMO-Update 2020: Krebsimmuntherapie beim TNBC

Das triple-negative Mammakarzinom (TNBC) ist eine heterogene Erkrankung mit äußerst aggressiver Tumorbiologie. Die Überlebenschancen waren durch fehlende zielgerichtete Therapieoptionen deutlich schlechter als bei anderen Subtypen des Mammakarzinoms. Über Jahrzehnte gab es keine neue Therapie, die das Gesamtüberleben (OS) maßgeblich verlängern konnte. Umso bedeutsamer war die Zulassung von Tecentriq (Atezolizumab) in Kombination mit nab-Paclitaxel als erste und bislang einzige Krebsimmuntherapie für die First-Line-Behandlung PD-L1 IC-positiver Patienten mit nicht resezierbarem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem TNBC (mTNBC) im August 2019.1 Die im Rahmen der diesjährigen virtuellen Jahrestagung der European Society for Medical Oncology (ESMO) präsentierten Ergebnisse der finalen Analyse der Zulassungsstudie IMpassion130 bestätigen den Vorteil beim medianen OS von 7,5 Monaten.2,* Darüber hinaus zeigten erste Daten der Phase-III-Studie IMpassion031, die Tecentriq in Kombination mit Chemotherapie in der neoadjuvanten Behandlung untersucht, eine statistisch signifikante und klinisch bedeutsame Verbesserung der pathologischen Komplettremission (pCR) und zwar unabhängig vom PD-L1 IC-Status.3


Finale Analyse bestätigt OS-Verlängerung für PD-L1 IC-positive mTNBC-Patienten

Tecentriq ist als erste und bislang einzige Krebsimmuntherapie in Kombination mit nab-Paclitaxel für die First-Line-Behandlung von Patienten mit nicht resezierbarem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem TNBC mit positiver PD-L1 Expression auf tumorinfiltrierenden Immunzellen (IC) auf ≥ 1 % der Tumorfläche (PD-L1 IC-positiv) zugelassen.1 Die Basis der Zulassung waren die Ergebnisse der Phase-III-Studie IMpassion130.4,5 Die finale Analyse der Studie bestätigte nun die Ergebnisse der ersten und zweiten Interimsanalyse zum OS.4,5 Die Kombination aus Tecentriq und nab-Paclitaxel verlängerte das mediane OS bei PD-L1 IC-positiven Patienten um 7,5 Monate (25,4 vs. 17,9 Monate unter alleiniger Chemotherapie).2,* Dies entsprach einer Risikoreduktion von 33 % (HR: 0,67; 95 %-KI: 0,53 – 0,86). Nach drei Jahren waren noch 35,8 % der mit Tecentriq behandelten PD-L1 IC-positiven Patienten am Leben versus 22,2 % im Vergleichsarm (95 %-KI: 28,7 % – 42,9 % vs. 15,9 % – 28,5 %).2 PD-L1 IC-negative Patienten profitierten nicht von der Behandlung mit Tecentriq plus nab-Paclitaxel.2

IMpassion131 erreicht primären Endpunkt nicht

Präsentiert wurden darüber hinaus erste Ergebnisse der Studie IMpassion131. Die Phase-III-Studie untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von Tecentriq in Kombination mit Paclitaxel beim mTNBC. Der primäre Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben bei PD-L1 IC-positiven Patienten. Dieser Endpunkt wurde nicht erreicht (6,0 Monate im Atezolizumab-Arm vs. 5,7 Monate im Placebo-Arm; HR: 0,82; 95 %-KI: 0,60 – 1,12). Auch die Daten zum sekundären Endpunkt, dem OS, zeigten keine Überlegenheit in der PD-L1 IC-positiven Population (22,1 Monate im Atezolizumab-Arm vs. 28,3 Monate im Placebo-Arm; HR: 1,12; 95 %-KI: 0,76 – 1,65).6 Die Daten waren zum Zeitpunkt der Analyse noch nicht reif. Das OS wird weiterhin beobachtet. Die wichtigen Daten der IMpassion131 werden Grundlage für die Planung aktueller und zukünftiger Studien zu Tecentriq mit möglichen Kombinationspartnern beim mTNBC sein.

Klinisch bedeutsame Verbesserung der pCR beim eTNBC

Die Daten der Phase-III-Studie IMpassion031 zeigten, dass Tecentriq plus Chemotherapie (nab-Paclitaxel; gefolgt von Doxorubicin und Cyclophosphamid) gegenüber Placebo plus Chemotherapie (nab-Paclitaxel; gefolgt von Doxorubicin und Cyclophosphamid) nicht nur in der Therapie des mTNBC, sondern auch im neoadjuvanten Setting (eTNBC) wirksam und sicher ist.3 Für den primären Endpunkt der pCR zeigte sich, dass die mit Tecentriq behandelten Patienten von einer statistisch signifikanten und klinisch bedeutsamen Verbesserung profitierten (57,6 % im Atezolizumab-Arm vs. 41,1 % im Placebo-Arm; p = 0,0044). Dieser Vorteil bestätigte sich unabhängig vom PD-L1 IC-Status. Die Daten für das Krankheitsfreie Überleben (DFS), das Ereignisfreie Überleben (EFS) und das OS sind noch nicht reif, zeigen aber bereits einen positiven Trend (DFS: HR: 0,74; 95 %-KI: 0,32 – 1,70; EFS: HR: 0,76; 95 %-KI: 0,40 – 1,44; OS: HR: 0,69; 95 %-KI: 0,25 – 1,87). Neue Sicherheitssignale wurden nicht beobachtet.3 Die IMpassion031-Studie ist damit die zweite positive Phase-III-Studie von Roche, die die Wirksamkeit von Tecentriq beim TNBC belegt, und die erste Studie, die den Nutzen auch beim eTNBC nachweist.2,3

* Die IMpassion130-Studie hat den ko-primären Endpunkt einer signifikanten Verbesserung des medianen Gesamtüberlebens (mOS) in der Intention-to-treat-Population in der finalen Analyse nicht erreicht. Das mOS der PD-L1 IC-positiven Studienpopulation konnte daher formal nicht getestet werden.

Referenzen

1. Aktuelle Fachinformation Tecentriq®
2. Emens LA et al. ESMO 2020. LBA16. Oral presentation
3. Harbeck N et al. ESMO 2020. LBA11. Oral presentation
4. Schmid P et al. Lancet Oncol 2020; 21(1):44–59
5. Schmid P et al. N Engl J Med 2018; 379: 2108–2121
6. Miles DW et al. ESMO 2020. LBA15. Oral presentation

Quelle: Roche


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